San Blas – ein Insel-Archipel der zu den schönsten auf der
ganze Welt zählt. In vielen Rankings der Cruiser-Gemeinde wo die weitgereisten
Segler ihre Meinung abgeben können, was denn die schönsten Orte in den Weiten
der Ozeane sind, rangieren diese Inseln ganz weit oben. Einige Weltumsegler
sind hier sogar hängen geblieben, denn sie waren der Meinung, schöner kann es
nicht werden. Also, warum weitersegeln?
Das befeuerte natürlich unsere Neugierde. Was wir bisher von
Bildern und aus Erzählungen kannten, liess an der außerordentlichen Schönheit
der Inseln nicht zweifeln. Kleine Sandinseln mit einigen Palmen darauf,
herrliche Korallenriffe überall – was natürlich eine sehr genaue Navigation
erfordert. Manche Inseln sind etwas größer, aber keine misst mehr als ein paar
Hundert Meter. Überall tiefblaues Wasser, das sich zu den Inseln hin in
hellblau bis türkis verfärbt. Insgesamt gibt es dort 365 Inseln und ca. 50
davon sind bewohnt.
Das Besondere an dieser Insel-Welt ist aber nicht nur ihre
atemberaubende Schönheit, sondern es sind auch die Menschen die dort leben –
die Kuna-Indianer. Und es leben dort NUR die Kuna.
In einem blutigen Aufstand 1925 gegen die panamaische
Regierung, haben sie sich weitgehende Autonomie für ihren Lebensraum
erstritten. Dieser Teil des Landes nennt sich nun Guna Yala. Wer sich dort
aufhält ist zwar formal in Panama, aber eigentlich ist man fast in einem
eigenständigen Staat. Die Kunas haben ihre eigenen Gesetze und ihre eigene
Exekutive. Die Polizei aus anderen Bundesstaaten hat dort nichts zu melden.
Genau genommen ist sogar jede Siedlung wie ein eigener Staat, die ihre eigenen
Gesetze machen kann. Wenn es nicht beilegbare Meinungsverschiedenheiten gibt,
dann entscheidet der Ober-Indianer.
Diese Gesellschaftsform mag uns an mancher Stelle etwas
befremdlich vorkommen, wobei es im Grunde eine gelebte Demokratie ist. Aber es
gibt einige strenge Regeln, die vor allem dem Schutz der Kultur und der
Gesellschaft dienen. So sind zum Beispiel Partnerschaften mit Nicht-Kunas
verboten, beziehungsweise führen zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Es dürfen
auch nur Kunas Land erwerben, auf den Inseln wohnen oder ein Gewerbe betreiben.
Das hat zur Folge, dass nur eine sehr geringe
wirtschaftliche Entwicklung stattfindet – und das ist gut so!!! Dadurch bleiben die wunderschönen Inseln von
der touristischen Dampfwalze verschont.
Nur auf ganz wenigen Inseln gibt ein paar Cabanas zum Übernachten, im
Komfort-Standard Minus 3 Sterne. Und ein paar Restaurants oder Bars gibt es
auch. Aber die darf man sich nicht vorstellen wie in den normalen
Touri-Regionen. Trotzdem ist das Essen sehr gut. Auf Monodup, auch BBQ-Islands
genannt, hat der Koch sogar extra für uns ein opulentes Sushi zelebriert.
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| Sushi auf Monodup mit der „Guiding Light“ |
Um die San Blas Inseln zu bereisen braucht man also ein Boot, am besten ein
eigenes, denn nur so kommt man überall hin, und die schönsten Plätze liegen
teilweise auch weit vom Festland entfernt.
Es gibt zwar so etwas wie ein öffentliches Nahverkehrsnetz
mit offenen Motorbooten, aber die fahren auch nur bestimmte Plätze an. Für
Touristen die von Land her kommen werden eh nur ganz wenige Ziele angefahren,
dort wo es Übernachtungsmöglichkeit gibt oder wo sie am Abend wieder abgeholt
werden. Dazu kommt, dass die Übernachtungen, umgerechnet auf den Komfort,
astronomisch teuer sind. Also etwa so, als ob man für die Übernachtung an einer
überdachten Bushaltestelle 100 Euro zahlen müßte. Aufs Klo geht’s hintern Busch
und Wasser bestenfalls wenn es regnet. Dieser Mangel (im positiven Sinn) an
touristischer Infrastruktur führt dazu, dass sich das Touri-Aufkommen sehr in
Grenzen hält. Nur die Yachties nehmen immer mehr zu. Aber wer die Zustände der
letzten Jahre im Mittelmeer erlebt hat, wird sich hier selbst in der
Hauptsaison an vielen Plätzen einsam fühlen. Es ist ja auch ein sehr
weitläufiges Gebiet und viele Inseln sind wegen umgebender Korallenriffe und
Untiefen schwierig anzusteuern.
Nun ist es aber nicht so, dass das Gebiet wirtschaftlich
völlig unterentwickelt ist – vielleicht nach Maßstäben einer industrialisierten
Gesellschaft. Natürlich gibt es dort keine Super-, Bau- oder Media-Märkte. Und
auch keine Industrie oder irgendwelche Konsumtempel.
Die Kunas leben vom Fischfang, der Landwirtschaft und vom
Tourismus. Eins der wichtigsten Exportgüter sind die Molas.
Das sind kunstvolle Stoffbilder mit geometrischen Mustern,
aber auch stilisierten Tier- und Pflanzendarstellungen. Sie werden nur in
Handarbeit gefertigt und sind ein wichtiger Teil der kulturellen Identität und
eben als Souvenir für Touristen.
Wenn man als Segler in so abgelegene Gebiete fährt wie den
San Blas Inseln, ist es ein großes Problem sich mit frischen Lebensmitteln zu
versorgen. Man will ja auch nicht alle 2-3 Wochen in das 150km entfernte
Portobelo zurückfahren um sich wieder mit Frischwaren einzudecken.
Für die Kunas sind die Segler ein Segen. Denn sie haben
schnell begriffen, dass sie mit uns gut Geschäfte machen können. Wobei das sehr
häufig auch nur über Tauchhandel abläuft. Eine Tüte Reis gegen einen Fisch.
Manchmal ist ihnen Tauschhandel sogar lieber, denn wenn sie etwas brauchen das
sie mit dem verdienten Geld zwar kaufen könnten, das aber nicht so leicht zu
besorgen ist, dann helfen ihnen die Dollars auch wenig. Um das Gewünschte
einzukaufen müssen sie nämlich selbst in einen der wenigen Orte mit Läden
paddeln, sofern es überhaupt zu bekommen ist.
Einige der Jungs sind so pfiffig, dass sie anbieten, einmal
pro Woche über WhatsApp alles zu bestellen was man so braucht, egal worum es
sich handelt. Das wird dann mit dem Jeep aus dem 200km entfernten Panama City
herbeigekarrt und sogar noch direkt ans Schiff geliefert. Das kostet zwar einen
kräftigen Aufschlag, aber gemessen am Einkaufskomfort ist es das allemal wert.
Man braucht übrigens nicht lange zu warten auf die
fliegenden Händler. Kaum liegt der Anker, hängt meist auch schon einer an der
Bordwand. Neben den Lebensmittel sind Molas und Chakiras, geknotete Armbänder,
das häufigste Handelsgut. Außerdem werden Führungen durch eines der
traditionellen Kuna-Dörfer angeboten oder spannende Dschungeltouren. Ich will an der Stelle auch betonen, dass
diese Leute sehr freundlich und gesprächig sind. Wenn man abwinkt, dass man
nichts braucht, dann ziehen sie wieder ab ohne aufdringlich zu sein.
Einmal hatten wir einen Mola-Verkäufer bei uns an Bord, der
uns seine reichhaltige Kollektion vorführte. Was tut man, wenn man sich nicht
entscheiden kann? Man nimmt sie alle! Zumindest die, die in der engeren Auswahl
waren. Das hat alle Dollars aufgefressen die wir noch hatten. Dummerweise
hatten wir sehr wenig Bargeld dabei, und dort kann man NUR in bar bezahlen,
denn Geldautomaten gibt es nirgends. Kaum hatten wir unsere letzten Scheine
ausgehändigt, da legte an unserer Bordwand das Boot des “Congreso“ an. Das ist
die Verwaltungsbehörde von Guna Yala, die von den Seglern eine saftige Gebühr
kassiert, damit sie das Gebiet überhaupt befahren dürfen. Der Betrag richtet
sich nach Schiffsgröße und Anzahl der Personen. Wir hätten 115$ zahlen sollen –
die wir aber nicht mehr hatten. Eine andere Zahlungsmöglichkeit als bar gab es
nicht. Unser Mola-Verkäufer fürchtete schon dass der Deal jetzt geplatzt sei
und er das Geld wieder herausrücken müsste.
Doch die freundlichen Amtspersonen hatten ein Einsehen, und
wahrscheinlich auch Mitleid mit ihren Landsleuten. Sie meinten nur: Okay, dann
zahlt Ihr einfach ein das nächste Mal! Von da an haben sie sich nicht wieder
sehen lassen.
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| Der Fisch wird sogar gleich für uns filetiert |
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| Auch der Käpten hat mal Spüldienst |
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| Mola-Verkaufs-Party |
Für uns war der Besuch auf den Inseln die schönste
Abwechslung nach dem anstrengenden und nervigen Überfahrts-Gezeter aus Belize.
Endlich nur noch treiben lassen. Nicht ständig das Wetter beobachten müssen,
nicht irgendwelche Termine im Genick, einfach nur diese tollen neuen Orte
entdecken und genießen. Mit dabei waren noch unser beiden Abenteurer-Chicas Eva
und Leo. Eva hatte schon in Roatan angeheuert und die Überfahrt nach Panama
mitgemacht. Leo stieg dann in Panama dazu. Da sich die Mädels auch nützlich
machen wollten, bekamen sie den Auftrag, den alten Korkboden in Salon herauszureißen
und neu zu verlegen.
Gleich die erste Insel die wir anliefen, erfüllte all unsere
Vorstellungen. Und jede Neue die wir ansteuerten war noch toller als die davor.
So erging es uns die ganzen drei Wochen die wir in dem Gebiet unterwegs waren. Eva
und Leo mussten dann allerdings zwischendrin aussteigen, denn sie hatten noch
eine großen Panama-Tour vor sich.
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| Badewanne auf Largyalo |
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| Eva und Leo legen den neuen Korkboden im Salon |
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| …und zwischendurch immer mal wieder abtauchen! |
Besonders freuten wir uns natürlich auf einige Freunde die
wir schon seit Rio Dulce kennen, wie Andrea und Ingo von der Easy One und Heike
und Jürgen von der Valentin. Da sie schon einige Monate auf San Blas waren
konnten sie uns auch gleich ein paar wichtige Tipps geben.
Besonders wichtig war der von Andrea, dass am Ankerplatz
„Swimmingpool“ jeden Tag um 4 Uhr nachmittags die Riffhaie in die Lagune
kommen. Als wir dann dort waren, um Punkt 16:10, kam dann tatsächlich ein ca 2
Meter langer Hai direkt auf uns zu geschwommen. Bis ich meine Kamera holen
konnte, war er leider schon wieder weg. Am nächsten Tag sollte er mir dann
nicht entkommen. Ich begab mich gleich um 16 Uhr, bewaffnet mit meiner
Unterwasserkamera ins Wasser, um ihm dort aufzulauern. Eine akademische
Viertelstunde hätte ich ihm zugestanden, aber nach 30 Minuten war er immer noch
nicht da. Es war so aufregend wie damals in der Jugendzeit, als es noch keine
Handys gab und man mit seiner Angebeteten ein Rendezvous an einem Treffpunkt
ausmachte – wo das Mädel dann auch eine halbe Stunde zu spät kam – und manchmal
auch auch gar nicht, so wie jetzt der Hai. Erst zwei Stunden später hat er dann
doch vorbeigeschaut, aber da war ich schon beleidigt, weil er mich versetzt
hat.
Und dann gab es dort noch ein verrücktes Zusammentreffen.
Seit Rio Dulce ist uns immer wieder eine alte Lagoon aufgefallen die einen
markant großen Schriftzug und einen aufgemalten Leuchtturm am Rumpf
hatte:„Guiding Light“. Die ganzen Monate in Belize ist uns dieser Katamaran
sozusagen immer wieder über den Weg geschwommen. Fast so, als ob wir abgemacht hätten die gleiche Route
zu fahren. Auf den Bay Islands ging’s gerade so weiter. Doch der Kontakt ging
nie über ein freundliches Winken hinaus. Auf Guanaja, am Absprungsort zur
Überfahrt nach Panama, lagen sie wieder neben uns. Es war klar, dass sie bald
weiterfahren würden, während wir zurück nach Roatan sind um unsere Überführungscrew
abzuholen. Aber damit war das Kreuzen unsere Kurse noch lange nicht vorbei. Wir
kommen in Providencia an, wer liegt schon da? 2 Tage später ging es weiter nach
San Andres. Und wer liegt da schon? Es war
wie bei der Geschichte vom Hase und Igel. Zwei Wochen später auf den San Blas
Inseln kommt dieses Schiff schon wieder an. Sie waren auf dem Weg woanders hin,
sind aber ganz nahe zu uns gefahren und riefen herüber, wenn wir uns wieder wo
begegnen, dann trinken wir endlich ein Bier zusammen. Unser nächster Ankerplatz
war wieder vor einer traumhaften Insel wo wir ganz alleine waren. Herrlich,
dass es in so einem beliebten Revier auch noch solche einsamen Plätze gibt. Es
dauerte nicht lange, da sahen wir einen Katamaran direkt auf uns zusteuern. Typisch,
dachten wir, kaum liegen wir wo alleine, kommt garantiert bald jemand und legt
sich neben uns. Es war die Guiding Light. Diesmal gab es dann endlich das
Kennenlern-Bier mit dem mexikanisch-amerikanischen Paar Lily und Shane. Und es
sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir die gleiche Vorliebe für Ankerplätze
hatten.
Die beste Beschreibung dieser Trauminseln geben eigentlich
die Bilder ab die gleich folgen.
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| Kokos-Pflaumen-Ernte |
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| Wo ist der Fisch? |
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| Lionsfish/ Rotfeuerfisch |
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| Muräne |
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| Berti mit Brüderchen |
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| Im Swimmingpool |










































