Zwei harte Monate liegen hinter uns, davon
fünf Wochen auf dem Trockendock.
Die Largyalo liegt nun mit (noch) sauberem
Bauch und reparierten Luken und Dächern friedlich und gut bewacht in der
Manzanillo Marina in Cartagena.
Die Zustände auf der Werft wurden zum Ende
hin fast unhaltbar: Die Handwerker trödelten, maulten herum, wenn wir mit der
Arbeit nicht zufrieden waren, und sie nochmals ausbessern mußten. Manchmal
lieferten sie geradezu haarsträubend schlechte Arbeit ab. Die Mechaniker, die
unsere hydraulische Steuerung überholt hatten verwechselten die Anschlüsse, und
somit schlug das Ruder auf die falsche Seite ein, wenn wir das Steuerrad
drehten!! Dann wurden „versehentlich“ wichtige Teile „mitgenommen“.
Überhaupt mußten wir uns über kleinere Diebstähle ärgern. Und natürlich über
den großen Nepp, mit dem die Werft ordentlich an uns verdient hat. Die
Lackierer hatten keine Ahnung, wie man das Coppercoat, unser Antifouling,
aufträgt, obwohl sie vorher behauptet hatten, sich auszukennen. Wir mußten bei
der ganzen Prozedur dabei sein, die (sehr teure) Farbe selbst
anmischen, den Anstreichern ständig über die Schulter schauen…. um ihnen
irgendwann entnervt Walzen und Wannen zu entreißen und es selbst zu machen!
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| Schreiner Pedro – mein Lieblings-Handwerker |
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| …zum Haareraufen! |
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| alles mußte noch nachgearbeitet werden |
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| Die Hydraulik-Fachleute…. |
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| ..machten zunächst gute Arbeit: neue Hydraulik-Schläuche, überholte Zylinder… |
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| ..die verkehrt angeschlossene Hydraulik |
am besten, man macht alles selber!
Bei uns ist es halt gemütlich!
Charles und Berti bei der Motoren-Behandlung
das schon gewohnte Bild!
Pedro und Charles, Schreiner und Mechaniker
diffizilere Sachen muß man selber erledigen
Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen
wurde direkt vor uns ein großer Motor-Katamaran abgestellt, bei dem die
Antifouling-Beschichtung abgeschliffen wurde. Obwohl das Schiff „untenrum“ mit
Plastik eingehüllt war wehte der feine Staub natürlich zu uns aufs Deck. Und nicht
nur dorthin, sondern auch in jede kleine Ritze und durch jede Öffnung. Nun ist
das nicht nur eine große Sauerei, sondern es handelt sich um sehr giftige
Substanzen! Ergebnis: Kratziger Hals, Husten, Hautausschlag.
Wir kamen aus dem Putzen gar nicht mehr
heraus, obwohl wir versuchten, alles dicht zu machen.
Was natürlich sehr schwierig ist, wenn die
Luken und Dächer gerade repariert werden.
Hübsch, aber nicht wirklich dicht!
Berti hat es ziemlich erwischt!
Schließlich waren wir mit Nerven, Geduld
und Gesundheit ziemlich am Ende und wollten nichts als weg aus
dieser „Hölle“.
Da man werftseitig erkannte, daß an uns
nicht NOCH mehr zu verdienen ist wurden wir dann auch noch gedrängt, den Platz
frei zu machen. Dabei war das Unterwasserschiff noch gar nicht fertig
gestrichen! Die Lackierer hatten in den ersten zehn Tagen gar nichts gemacht,
dann weitere zwei Wochen gebraucht, bis sie mit dem Anschleifen fertig waren.
Als es dann zum Endspurt unter Zeitdruck gehen sollte, spielte das Wetter nicht
mehr mit! (Bei dieser Art Antifouling darf keinerlei Feuchtigkeit auf den Rumpf
kommen, solange die Beschichtung nicht ausgehärtet ist, was ca. zwei Stunden
dauert) Prompt begann es in Strömen zu regnen, gerade als wir mit dem zweiten
Rumpf angefangen hatten. Also mußte nochmals angeschliffen werden, bevor es
weitergehen konnte.
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| Die hart erkämpfte (und selbst besorgte) „Schürze“ schützte vor dem Regen |
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| Die „Spezialisten“ |
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| DER durfte nur den Pinsel halten, nicht streichen! |
Unser Motoren-Problem konnte vor Ort nicht
repariert werden. Bis zum Schluß bestand Hoffnung, daß die beiden Pumpen
repariert werden könnten. Doch es war nichts zu machen, und so haben
wir entschieden, im Dezember mit den benötigten Ersatzteilen aus Deutschland
wieder zu kommen.
Kurzer Exkurs für Technik-Interessierte:
Durch schlechten Sprit, den wir auf den San Blas Inseln getankt hatten, haben
wir uns eine sogenannte „Diesel-Pest“ eingefangen. Das heißt, der Diesel
verschleimt und verstopft damit die ganze Krafstoffanlage. Außerdem war Wasser
mit im Sprit. Wenngleich wir vor unserer Abreise im Juni die Motoren
gereinigt und gespült hatten, muß wohl etwas von der „Sauerei“ drinnen
geblieben sein. Durch das lange Stehen haben sich die Bakterien vermehrt, durch
das Wasser hat sich Korrosion gebildet und so die empfindlichen Pumpen und
Ventile beschädigt. Die Einspritzdüsen und die Common Rail-Anlage konnten in
der Werft gereinigt und eine der Wasserpumpen repariert werden. Doch die beiden
Hochdruckpumpen waren irreparabel beschädigt. Ersatzteile nach Kolumbien nur
mit extrem langer Lieferzeit zu bekommen.
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| Endlich weg von diesem Platz! |
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| …leicht gezwungenes Grinsen! |
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| Diese drei müssen nun ohne uns klarkommen |
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| So transportiert man hier eine Sperrholzplatte |
Fluchtversuch nach Panama
Bei unserer Abfahrt von der Manzanillo Marina Ende August hatten wir
angekündigt, nach unserer Werft-Zeit noch einmal für einige Tage
zurückzukommen. Wir wissen ja, wie es auf dem Schiff immer aussieht, wenn man
das Trockendock verläßt, und wollten ungefähr eine Woche im Hafen liegen, damit
wir in Ruhe aufräumen, putzen, die Segel anschlagen und die Largyalo wieder auf
„Seebetrieb“ umstellen könnten, bevor wir nach Panama segeln würden.
Dort hatten wir schon einen Platz in einer kleinen,
günstigen Marina, wo wir das Schiff nochmal zwei Monate lassen könnten, bevor
wir im Dezember mit unserer Saison beginnen.
Doch bekanntlich kam ja alles anders….
Als die zweite Einspritzpumpe auch undicht von der
Testanlage kam, wurde klar, daß unsere SMARTs uns nicht nach Panama bringen
würden.
Dann eröffnete uns die Manzanillo-Marina, daß sie für uns leider
keinen Platz haben würde für so lange Zeit! Der große Katamaran, dessen Platz
wir eingenommen hatten, hatte nahtlos unseren Platz auf dem Trockendock
eingenommen, und sollte nach zwei Wochen wiederkommen.
In den anderen Marinas war auch nichts frei, und an einer
Mooring wollten wir unser Schiff nicht unbeaufsichtigt hängen lassen. „Think
outside the box“, das kann Berti ja gut, und so sah es so aus, als ob der
gewagte Plan B realisiert werden sollte: Mit einem Ersatzmotor nach Panama!
Unser Motoren-Mechaniker Charles half uns dabei, einen gebrauchten starken
Außenborder zu kaufen, der an einem stabilen Rahmen am hinteren Beam befestigt
wurde. Auch das schreibt sich leicht in drei Zeilen, dauerte aber ungefähr eine
Woche und bedeutete viele Verhandlungen und einiges Herumgerenne.
Doch schließlich war es entschieden: Der Motor war gekauft, ein
starker 40 PS Yamaha Zweitakter, den wir in Panama gut würden wiederverkaufen
können. Das Zubehör ( Steuerungseinheit, Kabel und Anschluß an die Ruder) war installiert,
200 l Benzin gekauft (ein Foto vom Kauf
von sieben billigen 20l Kanistern und deren Transport in einem Taxi mit vier
Personen gibt es leider nicht), die Hafenrechnung bezahlt, für eine Woche
Lebensmittel eingekauft und unsere Ausreise aus Kolumbien organisiert. Hier
braucht man zum Ein- und Ausklarieren einen Agenten, der einem –natürlich für
gutes Geld- die Formalitäten abnimmt. Das klappte auch sehr gut: unsere
gestempelten Pässe und unser „Zarpe“, die Ausreisebestätigung für das Schiff,
kamen pünktlich. Am Montag, den 7. Oktober legten wir ab und machten uns auf den Weg nach
Panama. Der Motor machte ganz gute Fahrt, zwar unter anfänglichem Gequalme und
lautem Geknatter, aber er tat, was er sollte, nämlich Schieben. Das änderte
sich, sobald wir aus dem relativ ruhigen Einfahrtsgebiet von Cartagena heraus
waren. Sobald die Wellen etwas höher wurden kam der Propeller unter lautem Gejaule
aus dem Wasser. Aber der Wind war zwar schwach, doch aus der richtigen
Richtung, und wir konnten den „Charlie“, wie wir ihn getauft hatten, ausmachen
und unter Groß und Fock Richtung Südwesten segeln. Für den Abend war mehr Wind
vorhergesagt, und wir hofften, ein gutes Stück nach Süden zu kommen. Für den
Folgetag war schöner Südostwind angekündigt, mit dem wir die 260 Seemeilen bis
zur Turtle Cay Marina gut schaffen sollten. Doch es kam anders, der Wind kam
nämlich nicht, und unser Charlie wollte nicht mehr anspringen!!! Berti mühte
sich auf der herabgelassenen Badeleiter ab, und riß wieder und wieder an der
Anlasser-Leine. Keine Chance, den Motor näher zu untersuchen, weil es dunkel
war und die See zu unruhig, um dort hinten herumzubasteln. Also kam unser gutes
altes Largyal-inghi mit dem 9 PS Motor wieder zum Einsatz. In bewährter Methode
(wie anno 2020 auf der antriebslosen Rückfahrt von Sardinien nach Sizilien)
spannten wir das Dinghi vorne an die Innenseite des Steuerbordbugs und zogen
unsere Largyalo durch das windarme Gebiet. Wir waren inzwischen bei den
Rosario-Inseln angekommen, und hofften, sobald wir aus deren Abdeckung heraus
wären, wieder Wind zu bekommen.
So machten wir einigen Stunden ganz gute Strecke, bis wir
weit genug von jeglichem Land entfernt waren. Die See war ruhig, es wehte kaum
ein Lüftchen, unsere Segel hingen schlaff herunter.
Wir versuchten, den Charlie anzulassen, diesmal bei
ruhigerer See und vom Dinghi aus. Die Zündkerzen waren sauber und trocken,
gaben jedoch – schön zu sehen mitten in der Nacht- keinen Funken ab, wenn man
am Seil anzog. Alles deutete darauf hin, daß der Not-Aus-Schalter das
Anspringen verhinderte. Wir versuchten alles mögliche, doch ohne Erfolg.
Schließlich waren wir so erledigt, der Wind so schwach, die
See so ruhig, das Land so weit entfernt, daß wir uns bei gesetzten Segeln bis
zum Morgen einfach treiben ließen und abwechselnd schliefen.
Gegen Morgen hatten wir uns nur zwei Meilen rückwärts
bewegt. Jedoch sah der Wetterbericht nicht gut aus. Zu schwacher Wind für die
Weiterfahrt und einige Gewitterfronten waren angekündigt.
Schweren Herzens entschieden wir uns zur Rückfahrt. So wie
wir als Bergsteiger manchmal kurz vor dem Gipfel umdrehen, als
Gleitschirmflieger oft den schweren Rucksack wieder heruntertragen, oder im
besten Fall mit der Bergbahn wieder runterfahren mußten, wenn der Wind nicht
paßte, so mußte auch jetzt die Vernunft siegen.
Eine so weite Strecke, bei ungewissem Wetter durch ein Gebiet mit Riffen
zu fahren, ohne vernünftigen Antrieb, war ein zu großes Risiko. So drehten wir
um, und konnten mit ganz leichtem Wind und SEHR langsam wieder nach Cartagena
zurückfahren.
Zu unserer großen Erleichterung antwortete uns die
Manzanillo-Marina, daß unser Platz noch frei wäre, sie uns bei der Einfahrt
helfen würden UND es irgendwie hintricksen könnten, daß wir bis Dezember
bleiben könnten.
Wir schafften es aus eigener Kraft, in die Bucht von
Cartagena hineinzusegeln. Als wir schon weit im Fahrwasser waren hängten wir
unser Dinghi wieder vorne ein und zuckelten,
schwach aber immerhin motorisiert, durch das Verkehrstrennungsgebiet
(mit glücklicherweise wenig Verkehr).
Drei Meilen vor der Marina holte uns dann das Schlepperboot
wieder ab und wir wurden – mit etwas zuviel Schwung- wieder in unsere Anlegebucht
geschoben. Ein Endcap und einige Nerven gingen dabei drauf, aber das schien uns
ein verhältnismäßig glimpflicher „collateral damage“.
Drei Tage brauchten wir, um uns körperlich von der
Anstrengung und moralisch von der „Niederlage“ zu berappeln, die Segel
abzuschlagen, das weiße Dach wieder aufzubauen,
den Sprit zum halben Preis zu verhökern, die Lebensmittel an arme Leute
zu verschenken und unser Pässe wieder gestempelt zu bekommen. Die Hafenbehörde
verlangte einen detaillierten Bericht, warum wir umkehren mußten, damit unser
„Zarpe“ wieder rückgängig gemacht werden konnte.
Die Ursache der Motorenpanne war tatsächlich der
Not-Aus-Schalter. Der Mechaniker kam, löste einen elektrischen Kontakt, und der
Motor sprang an!! Der Schalter war nachträglich eingebaut worden und die Kabel
nicht richtig angeschlossen. Doch wer weiß, wozu es gut war. Das Schicksal
wollte nicht, daß wir mit dieser Krücke nach Panama hinken.
Am Freitagabend ließen wir ein aufgeräumtes, gut
eingepacktes Schiff zurück, in den guten Händen von Hafenmeister Rafael, unter der menschlichen Webcam des
Security-Chefs Jairo, der mir alle zwei Tage ein minutenlanges Video schickt
und im guten Gefühl, daß alle paar
Wochen der Bewuchs abgeschabt wird.
Trotz abenteuerlicher Fahrt zum Flughafen wegen starkem Feierabendverkehr und dadurch
Verpassens unseres Zubringerflugs, nahm
uns die kolumbianische Avianca auf dem nächsten Flug mit, selbst als überhaupt
kein Platz mehr frei war. Ich kam in den Genuß, mal wieder auf der hinteren
Crewbank in einem A320 zu sitzen, und Berti war auch sehr erleichtert, trotz
des harten Jumpseats.
In Bogotà kamen wir rechtzeitig zu unserem Lufthansa-Flug,
obwohl uns die Dame bei der Ausreise gleich mal zu ihrem Supervisor schleppte:
Soviele Ein- und Ausreisen in so kurzer Zeit, das war schon recht verdächtig…
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| Die Heck-Aufhängung wird gebaut: nicht schön, aber solide |
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| Durch die Stahlkabel mit den Rudern verbunden konnten wir sogar damit steuern! |
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| …und TSCHÜSS Cartagena, dachte ich da noch triumphierend!
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| Das treue Dinghi rettet uns |
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| Bis zum Pfeil waren wir gekommen, im Kreis sind wir schon wieder auf dem Rückweg nach Cartagena |
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| Einsichtige Rückkehr |
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| Auf der Crewbank im A320 nach BOG |
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| Das ist schon ein Stück Heimat…. |
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| Uff, endlich auf dem Weg nach FRA! |
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| Home sweet home! |
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