Wir trennen uns! ;)

 

 

Ich selber wollte es ja lange nicht wahrhaben und habe bis
zum Schluß gehofft, unsere Beziehung ließe sich noch reparieren, obwohl es die
ganzen letzten vier Jahre nicht wirklich gut lief.

Berti hatte sich ja schon im vergangenen August in Cartagena
nach etwas Neuem umgesehen, wobei ich damals noch nicht daran dachte, daß daraus
etwas Ernstes werden könnte.

Doch als wir jetzt Ende des Jahres feststellen mußten, daß
trotz aller Reparatur-Versuche kein zuverlässiges Miteinander mehr möglich ist,
fiel die Entscheidung:

Wegen unüberbrückbarer Differenzen trennen wir uns von den SMART-Dieseln und gehen wieder zurück auf
Benzin-Außenbord-Motoren!

Doch jetzt mal der Reihe nach:

Nach einem langen deutsch-indischen Herbst, von Oktober bis
Weihnachten, den wir nutzten, um uns um unsere Familien, Freunde, unsere
Gesundheit und unsere weiteren Projekte und bürokratischen Angelegenheiten zu
kümmern konnten wir uns endlich an Weihnachten auf die Reise nach Cartagena
machen.

Der vorgesehene Abflugstermin am 16. Dezember wurde wegen
meines Zahnes, der keine Ruhe geben wollte verschoben (nachdem die Wurzel am
18. gefüllt wurde ist jetzt alles ok). Auch waren die Flüge in der Vorweihnachtseit
extrem überbucht, und für StandBy-Reisende wie uns gab es erst an den
Weihnachtstagen wieder eine Chance. Der EDELWEISS (Swiss Airlines) Flug ab
Zürich sah noch am besten aus, und so verbrachten wir einen SEHR ruhigen
Heiligabend in einer Schweizer Pension, bevor wir am 25. zum Flughafen fuhren.
Zum großen Schreck war der Flug total voll, und da wir ja als LH- Angehörige  einen schlechteren Status haben als die SWISS
und EDELWEISS Angehörigen, sah es zuerst mal ganz ganz übel aus.  Mein Bruder Oli fieberte online mit und war
schon auf Standby, um uns gegebenenfalls in Stuttgart wieder aufzugabeln, falls
wir unverrichteter Dinge dorthin zurückkehren müßten. Eigentlich hätte sich
meine ganze Familie gefreut, wenn wir zurückgekommen wären, denn Bruder, Nichte
und Neffe kamen zu Besuch. Doch wie so oft, hatten wir wieder mal alle Schweine
des Universums auf unserer Seite: unsere 160 kg Business Class -Gepäck waren
verladen, wir bekamen die letzten beiden Mittelsitze in der Economy, was uns
aber herzlich egal war!!

Ein letzter, etwas wehmütiger Blick von oben auf die
schneebedeckte Landschaft, dann ging es nach Westen.

In Cartagena gelandet, wurden wir eine geschlagene Stunde
bei der Einreise festgehalten: Unsere DREI Einreisen nach Kolumbien innerhalb
eines Jahres waren dem „System“  verdächtig, und es meinte, wir dürften nicht
mehr einreisen. Der Supervisor war natürlich gerade gemütlich beim
Weihnachtsessen, konnte dann aber doch irgendwann per WhatsApp erreicht werden
und unsere Stempel „genehmigen“. Uns war nach 20 Stunden Reise eh schon alles
egal, doch etwas RICHTIG Gutes hatte dieses Einreise-Hindernis:  Es war schon weit nach elf Uhr abends, kein
weiterer internationaler Flug sollte landen, und so waren die diensthabenden
Zöllner alle in ihrem Hinterzimmer am Weihnachtsessen, als wir unsere sechs (!)
Koffer elegant ins Freie schieben konnten! Der Inhalt unseres Gepäcks hätte
nämlich so manche Fragen und Gebühren aufwerfen können….

In der Marina war man auf unsere Ankunft vorbereitet: der
Nachtwächter half beim Tragen, unsere Planke, um an Bord zu kommen war schon
platziert. Noch ein bißchen Putzen und Wischen, und schon lagen wir endlich
wieder in unserer Koje!

Das mit dem Putzen zog sich dann noch über eine ganze Woche
hin, denn wirklich ALLES mußte abgewischt werden. Obwohl Rafael, der Dockmaster
einmal pro Woche gelüftet hat und wir alle neuralgischen Punkte abgedeckt und
-geklebt hatten war doch etwas Regenwasser zu den Fenstern hereingekommen. Da
hilft dann auch der Entfeuchter und das Lüften nichts mehr, und der Schimmel
wächst.

Parallel dazu wurden die mitgebrachten
Hochdruck-Einspritzpumpen in unsere beiden Diesel eingebaut. Doch es half
nichts, sie liefen einfach nicht richtig! Wir hatten im August auf dem
Trockendock einen großen Service machen lassen, nicht nur Ölwechsel, sondern
auch Reinigung aller Injektoren. Wir hatten uns ja durch schlechten Sprit das
ganze System verschmutzt, und alles mußte gereinigt werden.  Lichtmaschine Nummer sieben und acht waren
auch eingebaut, eine Wasserpumpe repariert, und dann verhinderten ja die defekten
Einspritzpumpen das Anspringen. Nachdem jetzt wieder kein befriedigendes
Ergebnis zustande kam, zogen wir in beiderseitigem Einvernehmen die Reißleine:  

                                                             SCHEIDUNG
– RAUS DAMIT!

Die Dinger haben uns nun vier Jahre lang geärgert, waren
laut und stinkig, zugegebenermaßen soffen sie sehr wenig, doch das war auch das
einzig Gute an ihnen. Die Propeller passten nicht richtig und wir konnten den
großen Schub gar nicht nutzen. Ein SMART-Motor gehört auf eine deutsche
Autobahn, und hat auf den Weltmeeren nichts verloren. Dort gibt es nicht an
jeder Ecke einen Mercedes-Kundendienst, der das jeweilige Wehwehchen mit dem
Computer auslesen kann und dann das benötigte Ersatzteil aus der Schublade
zieht. Vor allem die Lichtmaschinen vertrugen das salzige Klima überhaupt nicht,
und mehr als einmal mußten uns unsere Matrosen einen Drucksensor, eine
Lichtmaschine oder einen ganz bestimmten Keilriemen mitbringen!

Bevor wir im Oktober nach Deutschland zurückgeflogen waren
hatten wir uns bei einer großen Yamaha-Vertretung in Cartagena mal umgeschaut.
Und die hatten GENAU unsere Motoren da (50 PS High Thrust, also viel Schub, und
extralanger Schaft), und das auch noch zu einem erstaunlich guten Preis!

Doch zu dem Zeitpunkt dachten wir (ich) ja noch, daß wir es
weiter mit den Smarts versuchen können.

Doch zurück zu unseren Beziehungsproblemen:

Im Laufe des Herbstes fielen von Berti’s Seite immer wieder
Bemerkungen wie „mit den Dingern fahr ich nicht auf den Pazifik raus!“…

Ganz
beiläufig fand ich heraus, daß mein Mann mit Elektromotoren liebäugelt und auch
schon einige Rendezvous mit Herstellern vereinbart hatte.

Doch ich wollte es nicht wahrhaben, glaubte immer noch,
zumindest für dieses Frühjahr auf den San 
Blas Inseln würde es noch funktionieren.

Am 29. Dezember bestellten wir die Außenborder, am 30.
bezahlten wir und erhielten das Versprechen, daß sie gleich Anfang Januar
geliefert würden, da sie ja im Lager seien. Am 31. kauften wir den Edelstahl
für die anzufertigende Motorenwannen. Der Hafen-Schweißer würde erst am 7. wieder
den Dienst antreten, also mußten wir eine Alternative finden. In der Edelstahl-Handlung
gab man uns die Nummer von Luis, und Luis gab uns die Nummer von Felipe, und
Felipe war bereit, für eine anständige Feiertagszulage die beiden Gestelle
anzufertigen. Er bekam ganz genaue Zeichungen, in Farbe und ausgedruckt, es gab
Fotos, die die beiden Wannen zeigten, die wir bei unseren früheren Außenbordern
hatten.  Eigentlich sollte es für einen
Metalltechniker überhaupt keine Schwierigkeit sein, so etwas herzustellen. Not
in Colombia….. Nach zwei Besuchen in seiner Werkstatt und mehreren
Videotelefonaten war ein Gestell endlich fertig. Doch dann ging ihm, pünktlich
am Freitagabend, das Gas zum Schweißen aus!! Mein Donnerwetter hatte den
Effekt, daß er sich „und das bei DEM Regen!“ auf den Weg machte, und bei einem
Kollegen eine Gasflasche ergattern konnte.

Unsere Stahlrohre werden vor Ort zurechtgeschnitten

Mit dem Lastmoped fahren Stangen und wir quer durch die Stadt

Auf dem Abstellgleis: Unsere schönen Antriebsstränge
Berti demontiert den Motor – vom SUP aus
In Felipe’s Freiluft-Schweißerei
Selbst hätte er es besser gemacht!

Wir fahren mal wieder Nachtschichten
Die Luken, die auf der Werft ausgebessert wurden…. 
….müssen auch noch „schnell“ lackiert werden!

Alternative zum Flecken von der Arbeitsfläche wegschrubben: Einfach neu lackieren!

gleich geht’s abwärts!
…ins Dinghi!
Berti freut sich, daß das Ding draußen ist!
Ziemlich übermotorisiertes Dinghi
Weil der Außenborder nicht mehr draufpaßt PADDELN wir zur Kranstelle!!
Abflug!

Hier kommen schon die Neuen angeflogen!

  

Nun müssen wir die beiden Gestelle nur noch mit Holz
verkleiden, wofür wir ganz wunderbarerweise die alte Wanne von den Smarts
weiterverwerten können.

Diese beiden Ungeliebten sind inzwischen auch schon
demontiert, liegen aber noch in den Maschinenkästen. Sobald die Aufhängung
abgetrennt werden kann, werden sie über das Großfall ins darunterliegenden
Dinghi (!!) abgelassen, dann zum Kai gefahren (geschleppt, denn der Außenborder
paßt nicht mehr drauf) und mit dem Hafenkran herausgehoben.

Was damit geschieht? Fragt mich nicht! Im nächsten Blog
werde ich erzählen, wie das ausgegangen ist. Teile des Antriebs werden wir
demontieren und mitnehmen, um sie in Panama zu verkaufen.

 

Ich könnte jetzt noch viel erzählen: vom lauten Silvester,
das hier -akustisch- erst am 2. gegen Mittag endete, von unserem treuen
Wachmann Jairo, der ganz traurig ist, daß wir tatsächlich wegfahren wollen, von
der Unberechenbarkeit des Wetters, das uns mit sturzbachartigem Regen und
betäubenden Gewittern in Atem und in Bewegung hält, von Yoga auf dem Steg morgens
um vier, von meinen Lack-Attacken…. Doch hier lasse ich es erst einmal gut
sein, und versorge Euch zeitnah mit weiteren Bildern, ohne Hiobsbotschaften.

Sicher sind einige von Euch ein bißchen erschrocken wegen
der Überschrift J,
aber keine Angst: Ende diesen Monats feiern wir unseren Dreißigsten
Hochzeitstag, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden…..

 Rückblick auf Oktober bis Dezember in Deutschland und Indien:

 Oktober 24:

Anfang Oktober: glücklich gelandet daheim bei Mama!

    Time for friends and family

Schon wieder in den Flieger…diesmal nach Bangalore
Ayurvedische Impressionen

Berti’s Lieblings- Asana

Verzauberndes Kerala

Mitte November: wieder zurück im kalten Gräfenhausen


Quality time with Mama

Endlich eine Weißwurscht!
Mit dem bewährten Chauffeur zum Flughafen…
…wir fliegen mit viel Gepäck, aber leider ohne den Chauffeur
In Cartagena angekommen: Haarschnitt dringend nötig!
Frisch vom Friseur!

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