Gegen Ende Mai verließen wir das San Blas Archipel und
machten uns mit ein paar Zwischenstopps auf den Weg nach Bocas del Toro, ganz
im Westen des Landes. Dort soll Largyalo in der Regenzeit in einer sicheren
Marina geparkt werden, während wir für drei Monate nach Hause gehen.
Einer der Stopps führte uns in den Rio Chagres. Das ist
nicht irgend ein Fluss, sondern das war vor dem Bau des Panama-Kanals ein
direkter Weg zum Pazifik.
Zum Bau des Kanals wurde ca 7 km landeinwärts eine 26m hohe
Staumauer errichtet. Dadurch entstand ein riesengroßer Stausee der fast bis zum
Pazifik reicht – der Gatun-See. Dieser bildet den größten Teil des
Panama-Kanals und machte dieses Mamutbauwerk überhaupt möglich.
Vom Staudamm bis zum karibischen Meer blieb der Chagres aber
das was er immer schon war: Ein unberührter Urwaldfluss, der sich durch ein
besonders artenreiches Naturschutzgebiet schlängelt. Bis zum Ufer und noch weit
überhängend reicht üppiges Grün mit Bäumen bis zu 50m Höhe. Mit 100 Meter Breite und Tiefen von 5-15
Meter ist er für Yachten und Katamarane problemlos schiffbar. Nur an der
Mündung sind flache Riffe die eine vorsichtige Navigation erfordern.
So etwas wollten wir uns nicht entgehen lassen! Wir fuhren
ca 4-5 km flussaufwärts zu einer Biegung wo ein kleiner Seitenarm einmündete.
Dort ankerten wir. Da die Strömung bei einlaufender Tide flussaufwärts dreht
und damit auch Largyalo, schwoiten wir so nah ans Ufer, dass wir schon Sorgen
hatten, Besuch von unseren nächsten Verwandten zu bekommen.
Diesen Ankerplatz hatten wir gewählt, weil wir den kleinen
Zulauf möglichst weit mit dem Beiboot hochfahren wollten, um noch tiefer in den
Dschungel vorzudringen. Schließlich soll es in dem Schutzgebiet so ziemlich
alles an Fauna geben was Panama zu bieten hat.
Der kleine Fluss war anfangs noch gut 20m breit,
verschmälerte sich aber immer mehr, je weiter wir vordrangen. Irgendwann
konnten wir nur noch paddeln, weil es auch immer flacher wurde und weil immer
mal Äste und ganz Bäume im Weg lagen. Wir entdeckten interessante Pflanzen und
Früchte die wir nicht kannten. Zum Beispiel Cupuacu oder Großblütiger Kakao
deren Fruchtfleisch säuerlich-aromatisch schmeckt und für Erfrischungsgetränke,
Marmeladen, Eiscreme etc dient. Bei einem Ausflug mit dem SUP entdeckte Petra
einen vollbehängten Mangobaum, dessen Früchte allerdings ganz klein und hart sind.
Das Pflücken vom Brett aus war anspruchsvoll, doch lohnend, denn die Früchte
reiften nach einigen Tagen und schmeckten herrlich.
Aber unsere größte Aufmerksamkeit richtete sich auf
Krokodile. Da wir mit den Paddeln lautlos unterwegs waren, konnten wir uns
einige Male sehr nahe an diese Tiere heranpirschen. Und weil uns das nicht
aufregend genug war, machten wir die Tour bei Dunkelheit noch einmal. Das war
schon eine andere Hausnummer. Mit der Taschenlampe suchten wir das Ufer ab,
weil dann die Krokos noch besser zu erkennen
sind. Dann leuchten nämlich ihre Augen feuerrot. Aber noch spannender
wurde es ohne Licht. Da war die Fantasie kaum noch zu bändigen. Wir stellten
uns vor, dass gleich vor uns ein Spirosaurus auftaucht oder im Ufergebüsch das
Rascheln und Ziepen von Raptoren zu vernehmen ist. Zum Glück haben wir alle
Jurassic Park Filme gesehen und wussten wie man mit diesen Biestern fertig
wird.
Am nächsten Tag wollten wir uns das Ganze nochmal aus er
Luft anschauen. Das Wasser war spiegelglatt so dass es vom Himmel kaum zu
unterscheiden war. Ich flog ein Stück den Fluss entlang, den wir tags zuvor
schon befahren hatten. Aus der Luft wirkte der Wald undurchdringlich. Dieses
dichte Blätterdach hat aber den Effekt, dass der Boden wenig Sonne abbekommt
und damit gar nicht so zugewachsen ist. Man kann also durchaus einen
Waldspaziergang machen, sofern man sich nicht vor den wilden Tieren fürchtet.
Allerdings lauert dort eine ganz andere Gefahr. Wenn man 100 Meter in den Wald
läuft, verliert man jedes Richtungsgefühl. Man sieht keine Sonne nach der man
sich richten kann und man erkennt keine Geländeformen. Ohne Orientierungshilfen
oder Papierschnitzel, die man auf dem Weg verstreut, hat man schlechte Karten,
da wieder heraus zu finden. Googlemaps hilft auch nichts, weil es dort keinen
Empfang hat.
(Für mehr Dramatik, bitte Ton einschalten)
Nach drei Tagen wurde uns langweilig. Wir hatten zwar einige
Tiere gesehen und gehört, Brüllaffen, viele Vögel, sogar einen Tucan, Echsen
und natürlich die bereist erwähnten Krokodile. Aber vieles blieb uns doch verborgen.
Es ist eben kein Zoo, wo alle zwanzig Meter ein Tier zur Schau gestellt wird.
Es ist halt Natur pur. Nur Petra hatte mal ein Faultier entdeckt, als sie
unsere Schlafkabine aufräumen wollte.
So machten wir uns weiter gen Westen, um noch weitere spannende
Orte zu entdecken.







