Ausflug ins Hochland
Um auch einmal etwas vom Landesinneren zu sehen machen wir
uns auf ins panamesische Hochland.
Wir fahren per Boot ans Festland, dann im komfortablen Bus
auf kurvigen, aber recht guten Straßen nach Boquete. Dort ist der höchste Berg
Panamas, der Vulkan Barù, von dessen Gipfel aus man die Pazifik- und die
Atlantikküste sehen kann.
Wir quartieren uns in einem originellen Hotel ein: Wir
wohnen in „Zylindern“, in jeweils zwei hintereinander angeordneten Betonröhren,
die zu Fünfer-Häufchen aufeinandergestapelt sind.
So müssen wir uns überhaupt nicht umgewöhnen, denn es ist
darin sogar noch enger als in unserer Schiffskabine!
Doch man schläft herrlich hier auf 1200m Höhe, denn es ist
erfrischend kühl am Abend. Statt Dschungelgequake hören wir hier den Bach neben
uns plätschern und Kolibris und Schmetterlinge flattern herum.
Es ist herrlich, einfach mal nur Tourist zu sein! Wir besichtigen eine
Kaffee-Plantage, erfahren Erstaunliches über Anbau und Verarbeitung und dürfen
schließlich alle Kaffee-Sorten, die hier angebaut werden probieren.
Dann werden wir durch interessante Landschaften zu einem
kleinen Canyon kutschiert, der durch Lavaströme entstanden ist.
Eine Wildwasser-Tour auf dem Rio Chiriquì macht uns viel
Spaß. Ich schaffe es, in den ersten Minuten schon ins Wasser zu fallen… was mir
dann noch vier weitere Male passiert!
Der Höhepunkt, im wahrsten Sinn des Wortes: das „Erklimmen“
des knapp 3500m hohen Vulkan Barù.
Während unserer Kaffee-Tour haben wir drei junge Leute aus
Deutschland kennengelernt, die die Wanderung auf den Vulkan zu Fuß gemacht
hatten. Ihre lebhaften Berichte („ich wollte nur noch sterben“, „mir tun heute
noch die Knie weh!“, „man läuft um Mitternacht hoch und sieht überhaupt nichts
von der Umgebung, weil man nur einen Fuß vor den anderen setzt“, „oben war dann
alles bedeckt und man sah überhaupt nichts!“, „das Runterlaufen dauerte genauso
lang wie der Anstieg, nur war es noch viel mühsamer….“) führten uns zu der
weisen Entscheidung, lieber etwas Geld auszugeben und uns per
Allrad-Jeep zum Gipfel fahren zu lassen.
Meine anfängliche Enttäuschung über das unterlassene
Abenteuer weicht ganz schnell, als wir morgens um halb vier von Melissa, der
Offroad-Queen von Boquete abgeholt werden. Im androgynen Military-Outfit,
blondrosa Undercut und Gesichtstatoo, kompakt und stämmig gebaut, von
wortkargem Wesen, sitzt sie auf einem doppelten Kissen am Steuer eines wahren Ungetüms von Offroad-Gefährts.
Schnell merken wir, daß sie die Chefin des Konvois von drei Jeeps ist. Per
Funk hält sie Kontakt zu ihren Kollegen hinter uns, gibt knappe, klare
Anweisungen, steigt schon mal aus, um einen zentnerschweren Stein einfach
hochzuheben und aus dem Weg zu werfen, oder die Radmuttern wieder festzuziehen.
Der Weg ist einfach unbeschreiblich steil und voller Geröll. Ich sitze auf dem
Beifahrersitz mit Händen und Füßen eingespreizt: sowas Krasses bin ich
noch NIE gefahren! Berti sitzt hinten, gut abgepolstert bei einer Gruppe
chinesischer Touristen, die die halbe Auffahrt verpennen!
Ein Tapir galoppiert desorientiert vor dem Jeep herum!
Lustiges Viech: Elefantenrüssel auf schwarzem Schweinekörper!
Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichen wir den Gipfel. Eine
ganz kleine Kletterpartie zum Gipfelkreuz, und dann werden wir mit einem
herrlichen Ausblick auf beide Küsten Panamas belohnt.
Gut, wenn man einen Hobby-Meteorologen an seiner Seite hat,
der nicht nur den Segelwind, sondern auch das Bergwetter vorhersagen kann!
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| Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg? |
Die Abfahrt wird dann NOCH spannender, denn zuerst hat eines
der Fahrzeuge aus unserem Konvoi eine Vergaser-Panne und muß aus einer
kniffligen Position herausgezogen werden. Ich bin tief beeindruckt, wie Checkerin Mllissa, rückwärts wieder den Berg hinauffährt, die Jungs aufgeregt plappern läßt und dann
mit klaren, knappen und freundlichen Worten bestimmt, wie wer wo wann zieht.
Doch keine Viertelstunde später erhalten wir per Funk die
Hiobsbotschaft: Ein Fahrzeug vor uns ist umgekippt und liegt nun auf der Seite
in einer steilen, engen Kurve! Glücklicherweise ist niemand zu Schaden
gekommen, doch nun muß der Jeep in einer aufwendigen Operation wieder auf die
Räder gestellt werden! Wir genießen es,
nur Zuschauer sein zu dürfen und andere den Karren aus dem Dreck ziehen zu
lassen. Auf dem Schiff haben wir oft genug knifflige Situationen…
Nach fünf Tagen erfrischender Bergluft kehren wir zurück in
unsere Mangroven-Oase.
Unsere Marina-Chefs haben gut auf unser Schiff aufgepaßt und
verhindert, daß sich ein neuer Matrosen auf längere Zeit dort einnistete….

































