Vier Tage mußten wir noch im Norden „herumbummeln“, um darauf zu warten, daß der
Südwind endlich einschläft. Hier ein
paar Eindrücke von unseren schönen Wanderungen mit immer wieder neuen
Perspektiven auf die Insel Tavolara.
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| Manfred, Dieter, Krissi, Mauro, Petra, Berti, Tobi, (Robert) |
Dann endlich ging es mit achterlichem Wind und Karacho ( bis
zu 11 Knoten!) nach Süden.
Berühmter Kletter-Spot: Die „Nadel“ von Goloritzé
Arbatax, sardische Ostküste: Auf 28. Oktober nachts um 2 Uhr
war unser Start terminiert, genau dann sollten wir den passenden Wind und
angenehmere Wellen für die 220 Seemeilen nach Termini Imerese haben.
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| Die Guardia Finanza kontrolliert uns auf Herz und Nieren, bzw. auf Corona-Test und Papiere…. |
Zunächst war wenig Wind erwartet und so mußten wir erst
einmal vier Stunden unter Motor Richtung Osten fahren. Gegen halb sechs kam
schöner Halbwind auf, auch die Wellenhöhe stieg auf über einen Meter.
Unsere sechsköpfige (vorwiegend männliche) Mannschaft ist
fast vollzählig an Deck, um die Segel zu setzen: gerefftes hinteres, volles
vorderes Groß und die Fock blähen sich schön im halben Wind, als…….plötzlich
der Autopilot um Hilfe schreit (so klingt das tatsächlich, wenn er keine
Richtung mehr vorgeben kann) und das Steuerrad nicht mehr anspricht: keinerlei
Ruderdruck mehr, kompletter Ausfall der hydraulischen Steuerung!!! Nach kurzem ergebnislosem Check der
Verbindungen direkt am Ruder holen wir die immer bereitliegenden Notpinnen
heraus und können mit Hilfe dieser direkt oben am Ruderschaft eingeführten
Stangen das Ruder buchstäblich wieder in die Hand nehmen.
Die Segel werden sofort wieder geborgen, und die Motoren
angeworfen. Nach kurzer Zeit entdecken wir ein Leck in der Hydraulikleitung,
die von beiden Rudern ins Cockpit führt. Am Durchlass ins Deckpod finden wir
eine durchgescheuerte Stelle, die durch das ständige Reiben an einem Metallrohr
im Durchlass durch die Wellenbewegung entstanden ist. Dadurch wurde das
Stahlgeflecht im Schlauch freigelegt, welches durch das Salzwasser verrostet
ist. So konnte er dem enormen Druck von 70 bar nicht mehr standhalten und ist
geplatzt. Obwohl es nur ein kleines Loch ist kann die Anlage keinen Druck mehr
aufbauen und die Hydraulikflüssigkeit läuft aus. Der Kapitän entscheidet sich
für sofortigen Rückzug, da eine Reparatur vor Ort unmöglich ist, und wir nehmen
Kurs Südwest Richtung Villasimius.
Zunächst haben wir noch ordentlich Seegang und die beiden
„Hand-Steuermänner“ werden mit Rettungswesten und Leinen am Heck gesichert.
Doch schnell beruhigen sich die Wellen und der Wind läßt
nach, je näher wir wieder zum Land hin kommen, und bald schon genügt es, wenn
das Ruder nur festgehalten wird. Natürlich funktioniert so auch der Autopilot
nicht, und wir steuern also nach alter Seemanns-Sitte mit Pinne.
Nach einigen Stunden
erreichen wir am Nachmittag Villasimius, wo wir vor einem langen Sandstrand den
Anker werfen.
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| Spiaggia Simius, Villasimius |
Der Schaden wird nun genau inspiziert, und mehrere
Reparatur-Möglichkeiten kommen in Frage. In jedem Fall brauchen wir aber
Material und neues Hydrauliköl. Google
sei dank ist schnell eine Autoreparatur-Werkstatt ausfindig gemacht, die
telefonisch bestätigt, Öl zu haben. Wir landen per Dinghi am Strand und
marschieren erst einmal die drei Kilometer hinauf ins Dorf Villasimius.
Dort lernen wir Enzo kennen, der uns mit fünf Litern
Hydrauliköl und guten Ratschlägen versorgt.
Material, um den Schlauch
mit einer Zwischenverbindung auszubessern hat er nicht, doch er will
sich erkundigen. Am nächsten Morgen genießen wir erst einmal das herrlich klare
Wasser, die wärmenden Sonnenstrahlen und die Ruhe vor diesem menschenleeren,
langen Sandstrand.
Dann fährt das Logistik-Team Mauro und Petra mit dem von
Enzo geliehenen Auto nach Cagliari zum Hydraulik-Händler. ( Dank Lockdown und
mangels Kundschaft sind alle Autovermietungen geschlossen) Die 60 km lange
Kurvenstrecke mit dem Klapper-Fiesta auf abgefahrenen Reifen und wackliger
Steuerung sind ein Erlebnis für sich…wenn ein geborener Rallye-Fahrer hinterm
Lenkrad sitzt! Dort erstehen wir einen 10m langen Hydraulikschlauch und
weiteres (halb so teures) Hydrauliköl. Eine alternative ( kaum weniger kurvige)
Rückfahrt-Stunde später erreichen wir den heimatlichen Strand mit unserem
Dinghi und können dem Reparatur-Team das Material übergeben. Berti, Manfred und
Robert haben zwischenzeitlich die kaputte Leitung demontiert und verbinden das
neue Schlauchstück mit den vorhandenen Kupplungen. Das ist nicht so leicht, wie
es klingt, denn die Leitung muß um einige Ecken und durch enge Kanäle gezwängt
werden. Den Rest des Abends wird Öl eingefüllt und die Leitung durch ständiges
Bewegen des Steuerrades entlüftet.
Erschöpft, aber zufrieden sinken wir nach dieser
erfolgreichen Reparatur in unsere Kojen.
Vom Matrosen Dieter hieß es am frühen Morgen Abschied
nehmen, für ihn war eine Verlängerung bis Sizilien wegen der anstehenden
Quarantäne nicht mehr möglich. Das bedeutete eine weitere Kurventour mit der
Klapperkiste. Als dann mittags die letzten Einkäufe erledigt waren, der letzte
Müllbeutel einigermaßen korrekt entsorgt, der letzte Moccaccino getrunken und
das letzte Bad im kristallklaren sardischen Meer genossen war ging es endlich
los: Erneut queren wir das „LARGYALO-Bermuda-Dreieck“ vor Capo Carbonara, wo
wir am 15. Juli diesen Jahres mit Motorenpanne wieder nach Sizilien umkehren mußten.
Diesmal passiert nichts, die Ruderanlage samt Autopilot
funktioniert tadellos. Unter Spinnaker und Vollmond geht es ruhig und zügig
Richtung Osten. Wie gewohnt teilen wir die Nacht in Zweistunden-Abschnitte auf,
wir sind ja mit unseren erfahrensten Matrosen unterwegs, mit denen wir uns mit
wenigen Worten verstehen. (Wenn einige ihre Hörgeräte tragen würden….)
Am folgenden Tag kommen wir auf Halbwindkurs gut voran. Das
Thyrrenische Meer zeigt sich von seiner angenehmsten Seite: fast spiegelglatt,
kaum Wellen, die Sonne wärmt, wir
genießen.
Einmal haben wir einen kleinen Schwerfisch an der Angel, dem
wir aber „erlauben“ wieder freizukommen. Eine freundliche Delfin-Schule kommt
uns besuchen, Aug in Auge flirte ich mit einem schönen gestreiften Exemplar….
Dann
kommen die Schildkröten! Eine nach der anderen, manche „bumsen“ sogar an
unseren Rumpf, bevor sie eifrig weiterpaddeln. Was die wohl machen, so weit
draußen? Quallen fangen? An unserem Kompost sind sie jedenfalls nicht
interessiert. Manche unserer tierischen Gästesind nicht so willkommen: Seit
Sardinien bleibt ein Team aus fetten Fliegen beharrlich in unserem Salon.
Wahrscheinlich weil es so schön warm und windstill ist da drin. Doch bald schon
lösen neue Gäste das Problem: Vier kleine Vögel, die sich bei uns ausruhen. Sie
kommen und gehen, picken ein paar der
Brotkrumen, die Mauro ihnen anbietet, setzen sich mal auf Robert’s Knie, mal
neben den Steuermann. Endlich entdecken sie unseren gemütlichen Salon mit dem reich
gedeckten Stubenfliegen-Tisch! Ich setze mich dazu, um sie zu fotografieren,
und schon landet einer auf meinem Kopf! Sein Glück, daß ich fast nie ohne Mütze
herumlaufe, denn schon bei der Vorstellung kleiner Vogelkrallen, die sich dort
niederlassen, sträuben sich die Haare über meinem feder- und
schnabel-phobischen Hirn…..
So plätschert der Tag dahin. Der Backbord-Motor brummt leise
fast im Leerlauf. Die Lichtmaschine hat einen Defekt und saugt die
Starterbatterie leer. Daher wollen wir nicht riskieren, ihn aus- und dann nicht
mehr an zu bekommen. Wir haben zwar noch den Steuerbord-Motor, der –bisher-
anstandslos läuft, doch wollen wir unser Glück nicht zu sehr beanspruchen.
Einmal antriebslos von Sardinien nach Sizilien reicht pro Jahr…
Im ersten Morgenlicht segeln wir an der sizilianischen Küste
entlang: San Vito lo Capo in der Ferne, dann endlich Capo Gallo und Palermo und Capo Zafferano.
Es ist Sonntagvormittag des ersten November, die Sonne scheint mit noch erstaunlicher
Kraft, das Thermometer zeigt fast 21 Grad Wassertemperatur, und wir
entscheiden, daß wir ein letztes Mal vor Anker gehen, um die Badesaison vom
Schiff zu beenden.
Kurz vor San Nicola di Arena machen wir einen Stopp vor
einem kleinen Strand. Schwimmen, in der Sonne faulenzen, Mittagessen,
schlafen…..
Die letzten eineinhalb Stunden bis Termini vergehen schnell.
Dort werden wir schon von Giuseppe erwartet, der uns hilft, am Kopfsteg im
Hafen festzumachen.
„Ben tornati a casa!“ Willkommen zurück zu Hause, was für
ein schöner Empfang!
Schnell hängen wir nicht nur an den Festmachern, sondern
auch an Wasserschlauch und Stromkabel. Die Waschmaschine läuft, die Pizza ist
geordert, der Rotwein atmet……
Wir schlafen tief und fest, noch geschlaucht von drei
schlafarmen Nächten und erleichtert, endlich angekommen zu sein.
Zwar hatten wir gehofft, recht bald aus dem Wasser gehoben
zu werden, doch unsere Erfahrung mit Ignazio ließ uns befürchten, noch einige
Tage hier im Hafen warten zu müssen.
Am Frühstückstisch überlegen wir gerade,
wie wir den Tag verbringen könnten, da ruft eine wohlbekannte Stimme:
„Päddraah!!“ Fabio und Ignazio stehen am Steg und verkünden, daß sie uns jetzt
gleich rausheben wollen. Wir sind begeistert und eine halbe Stunde später
abfahrtsbereit. Die beiden begleiten uns auf der halbstündigen Fahrt zum
Werftgelände.
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| Die Hoffnung auf einen letzten Fisch… |
Dort wartet Vittorio schon mit der Fernbedienung vor dem Bauch
und der Travellift schon weit im Wasser.
Da wir uns nun schon zum vierten Mal in dieses Nadelöhr hineinbugsieren
klappt alles auch ziemlich gut und diesmal ohne daß Metall auf Holz trifft.
Das Allerbeste: Das Werftgelände ist ziemlich voll, unser
früherer Platz besetzt. Doch Fabio hat den für uns BESTEN Platz reserviert,
nämlich ganz vorne am Meer. An drei Seiten sind wir von den Zäunen umgeben, vor
dem hinteren Zaun zum Meer hin steht einer der riesigen verrosteten Container
und bietet uns Windschutz und Befestigungsmöglichkeiten für ein Dach. Die
offene Seite zum Werfgelände können wir mit einem Netz absperren. Nicht daß wir
„typisch deutsch“ gern einen Jägerzaun um uns herum wollen, aber auf diese
Weise können wir „unser“ Gelände abriegeln, wenn die Hunde freigelassen
werden.„Meine“ drei Höllenhündchen haben mich gleich wieder erkannt und sich
sehr gefreut.
Unser gelber Maurobus hat drei Monate lang treu auf dem
Betriebsgelände auf uns gewartet. Schwer beladen steht er bald schon wieder
unter dem Schiff. Darauf steht alles, was wir diesen Sommer nicht mitnehmen
wollten (oder konnten, zum Beispiel die beiden Dieselmotoren).
Bald schon steht wieder Arbeitstisch und Material unter dem
Schiff, eine Treppe ist gebaut und das Unterwasserschiff sauber gekärchert. Wir
sind sehr zufrieden mit der neuen Antifouling-Beschichtung auf
umweltfreundlicher Kupferbasis: Kaum Bewuchs, ein paar wenige Seepocken und ein
leichter Algenschleim, den man leicht abwischen kann.
Wir bleiben noch eine Woche, um abzutakeln und kleinere
Reparaturen zu erledigen. Das Wetter ist traumhaft. Solange die Sonne scheint
sind kurze Hosen und T-Shirt angesagt,
genauso wie ein gelegentlicher Sprung ins Wasser.
Unsere nur drei Monate kurze Saison ist zu Ende: Was für ein
intensiver Sommer! Was für ein Glück wir
trotz allem hatten!
Kiki Soso LArgyalo!!!
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| Alle(R)Heiligen |






































