Reise zum Schiff

 

                                                        (Der Käpten hat eine neue Kamera)

Diesen Blog schreibt der Kapitän 

 

Die Reise zum Schiff war, wie meistens, ein Abenteuer für
sich. Da wir ja immer nur Standby fliegen ist es meist eine Zitterpartie, ob ein
Platz für uns frei ist, und immer ist irgendwas, wie es nicht sein soll, und am
Ende hat dann doch alles perfekt geklappt.

Mit unserem Gepäck fing es schon an: Wir hatten 4 Koffer und
insgesamt mehr als 110 kg.

Das an sich war nicht das Problem, denn mit einem Business-Class
Ticket können wir auch so viel mitnehmen. Aber das Zeug muss man auch
schleppen. Das war Schwerstarbeit! Beim Check-in in Frankfurt sehen wir auf
einer Info-Tafel, was keinesfalls dabei sein darf, auch nicht in aufgegebenem
Gepäck. Dazu gehört so einiges in unserem Koffer. Normalerweise ignorieren wir
derartige Drohgebärden, aber bei Flug über USA ist das kritisch, vor allem,
wenn es sich um Waffen handelt. Wie ja jeder weiß, sind Waffen in Amerika
streng verboten – ach nein, das sind ja die Überraschungseier, deren Einfuhr wegen ihrer Gefährlichkeit
verboten ist. Das ist tatsächlich so!!! In den Einreisbestimmungen ist das
explizit erwähnt! Haha, dümmer geht’s nümmer!!! Also, meine schönen neuen
Präzisions-Carbonpfeile  für den
Compoundbogen wieder auspacken und per Post nach Hause schicken. Den Rest haben
wir einfach riskiert.

 

Dann hieß es: Flug total voll.

 Das hieß, bis zur
letzten Minute bangen und hoffen, dass es ein paar No-Showsgibt. Und tatsächlich gab es dann doch noch genau zwei Plätze. Puh, drin sind
wir schon mal.  Der Flug ab Washington nach Guatemala hatte einige freie Plätze
– also Entspannung.

ABER: In IAD pünktlich angekommen, steht der Flieger erstmal
eine halbe Stunde auf dem Vorfeld und wartet bis unser Gate frei wird. Als wir
endlich aus dem Flieger steigen und zur Immigration hechten, beginnt der
übliche Wahnsinn bei der US-Einreise. !  300 Menschen in einem
kleinen Raum, und die meisten haben es eilig weil sie ihren Flieger noch
erreichen müssen. Da gab‘s einige hysterische Tränen. Als wir nach 2
Stunden endlich am Schalter des Einreisebeamten stehen, beginnt schon das Boarding
unseres Fliegers nach Guatemala City.

Die ganze Reise schwebte über uns das Damokles-Schwert, ob
wir in USA unser Gepäck abholen, dem Zoll vorführen und dann für den Weiterflug
wieder einchecken müssen. Der freundliche Herr an Schalter in Frankfurt hat uns
beruhigt, denn er hat das Gepäck durchgecheckt bis zum Zielort. Toll, dann
haben wir wenigstens beim US-Zoll kein Problem. Es war ja schließlich immer
noch hochverbotenes Getreide fürs morgendliche Müsli im Koffer. 

Denkste: Schon während des Fluges und auch im Warteraum der
Immigration, kam ständig die Durchsage, dass wir das Gepäck doch am Kofferband
abholen und für den Weiterflug neu einchecken müssen.

 

Das Boarding hat begonnen (dauert normalerweise bei so
kleinen Fliegern 20 min), Gepäck holen, neu einchecken, dann durch den Security-Check
und – was wir da noch nicht wußten – es sind gefühlte 2 km bis zum neuen Gate!!

Wie durch ein Wunder schaffen wir es zum nächsten Flieger:
Sicher kein anmutiger Anblick, zwei spurtende Fußlahme mit nochmal vier, auch
nicht leichten, Handgepäckstücken.

Wir hechten als letzte rein, Türen zu und Pushback. Wir
mussten erstmal richtig lachen, was wir doch wieder für ein Schwein hatten.

Und so ähnlich geht das fast jedes Mal, wenn wir verreisen.

Die nächste Katastrophe, die uns droht, ist der Zoll in
Guatemala. Mindestens ein Drittel unserer Mitbringsel sind einfuhr-verbotene
Sachen. Und der Rest sind orignalverpackte Neuwaren, die mit 25% verzollt
werden müssen.

Und was war? NICHTS: wir wurden einfach durchgewunken. Was
dann kam, war geradezu eine vergnügliche Abwechslung im „langweiligen“
Reiseverlauf.  

Vom Flughafen aus telefonieren wir mit einem Hotel, wo wir
schon mal waren. Dort angekommen dauert es erstmal 10 min, bis uns die Türe
geöffnet wurde. „Zimmer? Frei? Vor 15 min telefonisch reserviert und
bestätigt?“  Der Hotelbesitzer weiß von
nichts und Zimmer frei haben sie auch nicht. Jetzt waren wir aber nicht in
einer Nobelgegend, wo ein Hotel neben dem anderen steht. Hotels für 20 Euro die
Nacht sind meist dort, wo man bei Dunkelheit lieber nicht  draußen herum läuft. Bei uns zuhause nennt
man so was ein Glasscherbenviertel.

Der Hotelbesitzer hat aber sofort die Ursache des
Missverständnisses ausgemacht – seine Frau . Nur gut, wenn jemand
schuld ist! Aber eine Ausrede hat er nicht parat. Denn plötzlich – welch
Wunder –  ist doch ein Zimmer frei. 

Die letzten 7 Stunden Busfahrt bis zum Schiff waren dagegen
direkt erholsam, obwohl wir den Bus auch nur noch knapp erreicht hatten. Wir warteten
lange, bis endlich ein Taxi auftauchte). Welcher Taxifahrer schleicht
schon um 5 Uhr früh durch so eine Gegend, wo sich eh niemand ein Taxi leisten
kann. Ja, wir hätten auch zu Fuß zum Busbahnhof gehen können. Dann hätten wir
wenigstens nicht mehr so schwer schleppen müssen. Wir hätten eigentlich gar nichts
mehr zu tragen gehabt. Okay, die Unterwäsche hätten sie uns wahrscheinlich
gelassen.

 

Aber ehrlich gesagt, lassen wir uns da auch gar nicht
besonders stressen. Wenn‘s
mal nicht klappt, dann fliegen wir einfach später. Und zur Not schlafen wir
auch mal am Flughafen oder auf einer Parkbank . Was soll’s. Es ist wirklich
egal, und das bisschen Mehraufwand oder Mehrkosten sind uns ein Abenteuer
allemal wert. Dafür haben wir ja ein so freies Leben; dass wir uns sofort auf
etwas Neues einstellen können. Wenn ich da an so manchen tragischen Malocher
denke, der ein dreiviertel Jahr vorher seinen Urlaub eingeben muss, um den
Frühbucherrabatt zu erhaschen, und dann zu spät zum Flughafen kommt, weil Stau
auf der Autobahn war. Was für ein Alptraum.

Keine sieben Stunden
später, nach einer angenehmen Fahrt im klimatisierten Bus mit Liegesitzen und
Toilette durchs morgenneblige Hochland Guatemalas kommen wir am Busbahnhof in Fronteras,
Rio Dulce an. Auch der vierte und letzte Taxifahrer dieser Reise (der erste war
mein Bruderherz, der uns zum Flughafen in Frankfurt gebracht hatte) staunt
nicht schlecht über unsere Gepäckmenge.


In der schönsten
Mittagshitze erreichen wir endlich unser geliebtes Schiff, das uns schon in
frischlackiertem satten Gelb entgegenstrahlt!

Gespannt klettern wir
rauf und hoffen, daß uns keine schlimmen Überraschungen erwarten. Doch außer
einem kleinen Urwald-Schößling, der sich in einem Stück Schmutz auf unserer
Decksbank festgekrallt hat (und dort auch erstmal weiterwachsen darf) finden
wir keine Katastrophen vor, gottseidank! Ein kleines Wespennest, eine kleine
Regenpfütze im Bad, tote Ameisen in den Türschwellen (ich hatte vorsorglich was
Giftiges zum Naschen für sie bereitgestellt) und viel Schmutz auf dem Deck- das
war alles!


Nach dem Ausladen der
Koffer gönnen wir uns ein Mittagessen im Marina-Restaurant und ein Bad im
schönen Pool, bevor wir ziemlich erschlagen, aber glücklich um acht Uhr abends
in unserer Koje liegen.

Morgen geht es gleich
los mit den Arbeiten: Um acht Uhr steht Rigoberto am Schiff, unser
guatemaltekischer Helfer. (Da wir keinen Robert mehr haben, brauchen wir jetzt
einen RIGobertO). Er hilft uns bei allen schweren Aktionen, bei denen unsere
vielgebrauchten Gelenke nicht gern mitmachen. So hat er heute 80 Meter rote
Leiste abgeklebt und angeschliffen, so daß wir sie demnächst frisch lackieren
können. Unser Dinghi ist noch nicht einsatzbereit, so entscheide ich mich für
eine Fahrrad-Tour zum Gemüse-Einkauf, denn von öffentlichen Verkehrsmitteln
habe ich erst mal genug. Doch an das feucht-heiße Klima hier müssen wir uns
erst wieder gewöhnen, der apokalyptische Verkehr über die Brücke und im
Städtchen ist überwältigend!

Doch nun, am Abend,
ist endlich alles ruhig, wenn auch nicht still. Der Dschungel schläft nie,
Grillengezirpe, Vogelgezwitscher, Frosch-Trompeten und natürlich das Affen-Gebrüll
bieten eine abwechslungsreiche Schallkulissse.

 

 

 

 

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