Im Dschungel-Camp

 

Ich glaub, ich steh im (Ur-)Wald….

Seit vier Wochen sind wir nun wieder hier auf der Werft in
Guatemala.

Es ist heiß, heiß, heiß. Eine (Brüll-)Affenhitze! Kaum ein
Lüftchen erreicht uns hier hinten auf dem Trockendock, dafür sind wir ganz nah
am Dschungel. Dort ist ganz schön was los, die Affen brüllen, die Frösche
trompeten und die Vögel schreien vielstimmig. Etwas leiser, aber umso
unangenehmer ist das Gesumm der Moskitos und Wespen. Die Skorpione, Schlangen und
Krokodile sind völlig lautlos, und bleiben glücklicherweise meist im Dickicht.

Schwindelfrei und hemmungslos

Morgens um 6 Uhr, wenn ich aufstehe (wer mich kennt, wird
das kaum glauben) ist es noch angenehm warm, der Dschungel erwacht gerade, und
die Geräuschkulisse paßt gut zu meinen Sonnengrüßen.

Doch kaum geht es auf sieben Uhr zu, rattern die ersten
Arbeiter auf ihren Mopeds zur Arbeit. Direkt hinter uns ist die Schweißerei.
Morgens wird dort erstmal gemütlich Kaffee getrunken, geplaudert, WhatsApps
gelesen und geschrieben und YouTube –Videos herumgezeigt. Da die Metall-Werkstatt
nach vorne hin offen ist bietet sie eine hervorragende Akustik, so daß wir „Nachbarn“  das maximale Geräuscherlebnis haben.
Irgendwann beginnen sie dann auch mit dem Flexen und Schweißen, doch zu diesem
Zeitpunkt bin ich dann schon beim Frühstückmachen, denn dann ist es vorbei mit
meditativer Ruhe.

Largyalo wird auch frisch geschminkt

Wir nutzen die Morgenstunden für Arbeiten außen am Rumpf,
weil es ab zehn Uhr nur noch unter dem Schiff auszuhalten ist. Da für die
GELB-Lackierung die Beams „entschnürt“ und freigelegt worden sind können wir
stellenweise aufgeplatzte Stellen reparieren. Die rockige Atlantiküberquerung
hat unsere Beams ganz schon beansprucht und an einigen Stellen ist durch die
Bewegung die Fiberglasbeschichtung aufgebrochen.  Das haben wir alles aufgefräst, mit Epoxi
gefüllt, mit Glasstreifen belegt, verspachtelt, geprimert und wieder lackiert.
Schneller aufgeschrieben, als gemacht 😉 .

Auch unsere Deckshäuser wurden stellenweise mit Hilfe eines
Wagenhebers und einer Metallstange angehoben und mit dicken Gummipolstern
unterlegt.

Währenddessen sind unsere beiden Antriebslager in der
Metallwerkstatt im Ort, da sie am Ende unserer Segelsaison schwergängig, nach
den drei Monaten hier an Land dann total festkorrodiert waren.  Der örtliche Spitzen-Werkzeugmacher (auch
seine Preise sind spitze!) hat sie erfolgreich aufgeschraubt, zerlegt und die
defekten Teile ersetzt.

Während wir noch auf die Fertigstellung warten hat Berti beide Motoren
gründlich gewartet, Verschleißteile ausgetauscht, Ölwechsel gemacht und eine
Lichtmaschine ausgetauscht. Beide Smarties sprangen auf Anhieb wieder an und
schnurren beruhigend.

Da lacht er noch…
Cesar, der Getriebe-Checker: ganz schön durchtrieben!

Nachdem nach dem GELB nun auch das ROT frisch lackiert ist
poliert unser Arbeiter Rigoberto das WEISS wunderbar auf.

Gleichzeitig können wir nun unsere Schnürungen machen. An 24 Stellen sind
unsere sechs Beams mit den Rümpfen verbunden, jeweils innen und außen. Das
machen wir in bewährter Weise mit einem Fall über die Winsch und einem Jümar
(einer Seilklemme aus unseren Bergsteigerzeiten). Es ist ziemlich anstrengend,
und wir schaffen nur vier bis sechs Stück pro Tag.  Heute haben wir Nummer Acht geschafft…..

Kurbeln statt Fitness-Studio
Rigoberto, ein 145cm großer Indio

Largyalo auf Hochglanz: as good as it gets!

Neben all dieser Arbeit gibt es noch viel zu Organisieren.
Bis gestern laborierten wir, bzw. der Mercury-Mechaniker an unserem kleinen
Außenborder herum. Den hatten wir vor unsere Abreise Mitte Juli zum großen
Kundendienst gebracht. Seitdem lief er katastophal schlecht! Nach drei weiteren
Werkstatt-Aufenthalten funktioniert jetzt alles wieder. Ohne Beiboot ist man
hier im Rio Dulce ziemlich aufgeschmissen, denn alles ist am besten übers
Wasser zu erreichen. Man kann zwar auch über die Brücke laufen oder radeln,
doch das ist in der Hitze und bei den Verkehrsverhältnissen kein wirkliches
Vergnügen.

Rudern statt Fitness-Studio
Jhonny, der Mercury-Checker
Eine der vielen Probefahrten

Die Versorgungslage ist nicht gerade berauschend, was
Werkzeug und Materialien angeht, und auch Lebensmittel gibt es nicht in allzu
großer Auswahl. Milchprodukte und Käse haben wir uns fast abgewöhnt, die
Fleischtheke nehme ich sowieso nur aus den Augenwinkeln wahr, und leider gibt
es so gut wie keinen frischen Fisch. Obst und Gemüse ist dafür in guter Qualität
und Auswahl auf dem Markt erhältlich.

Zwei hübsche Kerlchen
Happy Iguana

Wir kämpfen nun seit unserer Ankunft darum, unsere beiden Pakete mit
Schiffsausrüstung, die wir uns aus Deutschland haben schicken lassen (keine
gute Idee…) aus  dem Zoll zu bekommen.
Dabei hilft uns Cecilia, die gute Seele und Managerin der Marina nach Kräften.
Doch es ist eine zeitraubende, nervenzermürbende und wahrscheinlich ziemlich
teure Prozedur, denn zu guter Letzt brauchen wir doch einen Agenten, der die
Zollformalitäten für uns abwickelt.

Cappuccino-Pause
Ein echter PR-Gag

Bei soviel Arbeit haben wir kaum Zeit an den vielen
Aktivitäten, die hier am Hafen angeboten werden teilzunehmen. Einige sehr
rührige Amerikaner tun hier viel für die „Cruising Community“: Es werden
Grillpartys, veranstaltet, Yoga und Fitness-Stunden, man kann Batik und
Makramee machen (genau meins..!), zu Halloween wurden Kostümwettbewerbe,
Live-Musik und lustige Spiele gemacht, jetzt sind schon die Vorbereitungen für
Thanksgiving im Gange. Dann ist mindestens einmal in der Woche eine Geburtstagsfeier
oder irgendein Charity-Event. Dann kommt der Gemüsemann aus dem Dschungel, die
Brot-Frau oder das Waisenhaus verkauft Selbstgebasteltes.  Doch unsere sozialen Kontakte beschränken sich
auf einige Wenige. Wir treffen uns manchmal mit Andrea und Ingo von der „Easy
One“ zu einem Kaffee oder abends einem Glas Wein. Auch (sehr nette)
Österreicher und einen schwäbischen Südafrikaner haben wir kennengelernt.

Urwald am Schiff

Unsere Hauptaktivität und das Highlight am Ende jeden Arbeitstages ist das
Schwimmen im wirklich schönen Pool. Das Wasser ist sehr lauwarm, also gerade
richtig für den Kapitän. Abends sind auch die (meisten) lautstarken Kiddies
endlich weg und wir haben das Wasser oft ganz für uns.

Noch zwei Wochen, dann geht es ENDLICH wieder zurück ins
Wasser. Und dann auch sehr bald zurück ins SALZWasser, in dem wir uns viel
wohler fühlen als im Chlor- oder Flusswasser….

Vollmond über Nanajuana

 

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