Der Griechische Sommer…. Ist jetzt zu Ende. Der Griechische. Denn der
Sizilianische, Sardische und Balearische Sommer geht weiter! Am 19. September
sind wir von Lefkada aus Richtung Westen gestartet. Die Zeit von Juli bis
September um die Ionischen Inseln war wunderbar. Tolle Leute, viel Abwechslung,
gutes –wenn auch glutheißes- Wetter, herrliche Ankerplätze, wenn auch
Griechenland auf dem Boot sehr gefragt war in diesem Jahr und es ungewöhnlich
viele Schiffe gab. Zum krönenden Abschluß konnten wir James und Hanneke noch
einmal auf der „Spirit of Gaia“ besuchen. Nach unserem letzten Törn sind wir
nochmals ganz weit nach Süden nach Lefkada gefahren, damit wir die Wharrams in
Nidri treffen konnten.
James mit seinen 93 Jahren lief einmal mehr zu Hochform auf und unterhielt
unsere 16köpfige gemischte Gaia/Largyalo-Crew beim Abendessen auf den zu einem
Floß zusammengebundenen Pahis. Dank unseres Kamerateams wurde dieses Event auch
per Drohne aus der Luft dokumentiert. (Die „Wharram-Friends“ Facebook –Gruppe
lief heiß in den nächsten Tagen!!)
Dann ging es im Galopp Richtung Sizilien. Mit ordentlich Krach und Wumms in den
ersten 24 Stunden wurde nicht viel geschlafen. Doch wir waren zu siebt und
konnten uns lange Ruhepausen gönnen, während immer einer zwei Stunden Ruderwache
hatte. Berti wird in solchen Fällen nicht als Wache eingeteilt, so daß er immer
auf „Standby“ sein kann, falls er „einschreiten“ muß. Nach der stürmischen
Segelei folgte langsameres Motor-Segeln.
Unsere beiden Mercedes SMART Diesel funktionieren sparsam und problemlos.
Lediglich die Lichtmaschine des Backbordmotors hat etwas zuviel Salzwasser
abbekommen, weil der Behälter nicht gut genug abgedichtet war. Doch mit einer
Überbrückung von der einen zur anderen Batterie konnte das Problem gelöst
werden, zumindest vorerst. Auch die Antriebs-Stränge halten gut. Bei jedem Stop
werden sie überprüft, ob sich auch nichts losvibriert hat. (Gebrannte Kinder…..)
Der Verbrauch ist geradezu lächerlich im Vergleich zu den beiden
Benzin-Außenbordern. Außerdem vermissen wir das ständige Nachtanken mit den
Kanistern überhaupt nicht. Jetzt fließt der Treibstoff ganz elegant aus dem
großen Tank, der sich zwischen den beiden hinteren Deckshäusern befindet.
In Sizilien angekommen rauschen wir mit Rückenwind und Rückenströmung durch die
wirbelige Straße von Messina. Ganz oben, am linken Eck ( quasi bei der
Charaybdis, heute Torre Faro genannt) steht unser Freund Enny mit seiner Familie
und winkt uns. Ihm verdanken wir auch das schöne Foto unter Segeln. Doch an
Anhalten ist nicht zu denken: wir segeln weiter Richtung Westen und verbringen
eine wohlverdiente Ruhenacht vor Anker bei Lipari. Unser mitsegelndes Kamerateam
(es wird einen Unterwasser/Meeresschutz-Film geben, in dem wir vorkommen!)
erklimmt im Morgengrauen Vulcanos Krater, dann geht es weiter. Die Zeit drängt,
denn wir wollen Anfang Oktober in Mallorca sein.
Dann taucht Termini Imerese vor uns auf: unsere „alte Heimat“, in der wir die
letzten DREI Winter verbracht haben. Keine Frage, daß wir jede Menge Leute
treffen und Besuch bekommen. Zwischendurch werden aber noch Filmszenen gedreht,
Interviews gefilmt und Einkäufe gemacht. Nicht zu reden von den Wein- und
Mandel-Lieferungen, die unsere Atlantik-Überquerung sehr bereichern werden. Ich
denke, wir werden noch in der Südsee sizilianisches Nußmus essen können. Bzw.
brauchen wir bei einem eventuellen Schiffbruch keinen Hungertod erleiden.
Am Sonntagmorgen fuhr ich noch schnell per Dinghi zu „meinen“ Hunden auf der 7
km entfernten Schiffswerft . Die drei freuten sich mächtig, und ich war
erleichtert zu sehen, daß es ihnen ganz gut zu gehen scheint.
Mittags ging es dann schon weiter. Die mittlerweile auf DREI verschlankte (kann
man nicht ganz wörtlich nehmen) besteht aus Berti, dem frisch eingeflogenen
Manfred und mir. Robert ist auf Heimat-Urlaub, dem Kamerateam ging es nicht
schnell genug per Segelboot, und es ist per Flieger und Fähre über Barcelona
voraus gereist.
Womit sie nicht unrecht hatten. Denn obwohl die Weiterfahrt nach Sardinien SEHR
schnell war (240 SM in 48 Stunden) war sie auch sehr rauh und vor allem naß. Die
See schoß nur so seitlich über die Rümpfe, und es war ziemlich ungemütlich. Doch
in der zweiten Hälfte wurde es ruhiger und wir kamen relativ entspannt in
Villasimius im Süden Sardiniens an. Dort durften wir nach dem Tanken noch sehr
lange am Steg liegen bleiben und die Salzkruste von Largyalo abduschen. Außerdem
erwarteten uns unsere alten Freunde Ari und Jan, die mit dem Wohnmobil auf der
Insel unterwegs sind. Diesmal kamen sie nicht angeschwommen, auch nicht
dahergelaufen, sondern herbeigeradelt. Sie haben ein großes Talent zum
Deckschrubben, was sie wieder einmal zeigen konnten.
Mit vollen Tanks und sehr erfrischt fahren wir weiter bis Pula. Sardinien ist
eine SEHR große Insel, und wir wollen langsam bis zum westlichsten Punkt fahren,
von dem aus wir den Sprung nach Mallorca starten können. Doch erst einmal müssen
wir warten, im wahrsten Sinn des Wortes abWETTERn. Denn es pfeift ein kapitaler
Mistral aus Nord, mit Wellen von über drei Metern Höhe! Das wollen wir uns und
unserem Schiff nicht zumuten, denn diese Wellen von der Seite einzustecken, das
ist wie eine brutale Tracht Prügel. Also warten wir ab, erholen uns, putzen die
Kabinen, machen kleine Reparaturen, essen eine feine sardische Pizza und
genießen das so besonders weiche sardische Meerwasser. Am letzten Tag werfen wir
am Strand von Chia noch einmal den Anker, da werden wir auch schon von Land aus
entdeckt: Simone und Jo aus München machen hier Urlaub und freuen sich über
dahergeschwommenen Strandbesuch. Dinghi, Kanu und SUPs sind abgebaut und
verstaut, denn auf Überfahrten darf nichts an Deck herumliegen. Auch wenn wir
immer viel Glück haben, sind wir doch aus Erfahrung vorsichtiger geworden. Vor
allem kann man den Wetter-Analysen unseres Scheff-Nautikers vertrauen.
Am Donnerstagabend lassen die Schaumkronen draußen etwas nach, und wir gehen Anker
auf. Wie erwartet, geht es dennoch sehr ruppig zu da draußen. Wir haben voher
schon gegessen, Spaghetti (geht genauso leicht rauf wie runter) und soviel
vorbereitet, daß wir am nächsten Tag nicht viel kochen müssen. Wieder einmal
erweist es sich als richtig, alles fest zu binden und abzudichten…
Der Wind hat stark nachgelassen, nur noch eine große Dünung läuft von der Seite
heran. Wir können nicht segeln, sondern müssen gegenan bolzen. Doch schon am
nächsten Tag wird es erträglicher und wir beginnen, die Weite und die Einsamkeit
zu genießen. Da wir nur zu dritt sind fallen die Wachen lang (3 Stunden) und die
Pausen kurz ( 6 Stunden) aus. Doch es ist wenig los, und es genügt, alle 15
Minuten das AIS zu kontrollieren und einen Rundum-Blick zu machen. Ganz selten
mal ein Tanker oder ein Frachtschiff, kleine Vögel, die bei uns ausruhen und ein
paar Grindwale, die sich kurz neben dem Schiff zeigen. Unser drei Tage alter
Wetterbericht stimmt noch, und der versprochene Südwind setzt ein. Wir können
die letzten 24 Stunden unter Fock und Groß segeln, schieben allerdings mit den
Motoren noch etwas. Um halb zwei morgens fällt der Anker in der Bucht vor Porto
Cristo…. Endlich angekommen
So sah es zwei Tage später aus ….. Gut, daß wir DAS verpaßt haben!






















