David gegen Goliath (Bericht des empörten Käpten)

Nein, wir haben nicht mit der
Steinschleuder auf die ganz Großen gezielt.

Petras scharfe Zunge und unbeugsamer
Wille haben gereicht, um einen übermächtig scheinenden Gegner zur
Strecke zu bringen.

Wie im vorangegangenen Bericht schon
erwähnt, hatten wir in der zweiten Weihnachtsnacht ein
Ankererlebnis, das wir nicht gerne wiederholen würden, zumal der
Wind die ganze Zeit Stärke 6-7 beibehielt.

Nachdem wir beide Anker nun optimal im
Boden versenkt hatten und einige Tage bei Wind bis 30 Knoten unsere
Position und die Anker immer wieder kontrollierten, hatten wir an
Sylvester endlich die Sicherheit, dass es auch noch dicker kommen
könnte und sie trotzdem halten würden.

Und es kam noch dicker! Aber anders als
wir dachten.

Wir kehrten gerade von einem
Landausflug zurück, als sich uns ein kleines Motorboot näherte und
uns darauf aufmerksam machte, dass gleich ein großen Schiff hier
vorbeifahren würde und wir aufpassen sollten, falls uns der Wind zu
weit ins Fahrwasser drückt. Okay, kein Problem. Wir machten das
Beiboot klar, um uns bei Bedarf zur Seite aus der Schusslinie zu
drücken. Wir gingen davon aus, dass das Schiff in die Nachbarbucht
fahren wollte, denn dort gibt es eine Werft. Vor uns waren ja
schließlich nur gut 150m Platz bis zum Land. Man muss dazu erwähnen,
dass diese Ankerbucht zwar überwiegend 5-7m tief ist, aber die
Einfahrt von mehreren Riffbänken eingesäumt ist. Es schafft noch
nicht mal jeder Segler die Fahrt aus der Bucht, ohne auf eines der
Riffe aufzulaufen.

Dann sahen wir das Monster herannahen:
Eine 60m lange private Motoryacht mt dem schönen Namen „Dancing
Hare“. Schnell war der Eigner ausge“googelt“: Anna Murdoch,
Ex-Frau von Rupert Murdoch, dem Medien-Mogul, dem wir die tatkräftige
mediale Unterstützung eines nicht gerade ehrenwerten Herrn aus USA
verdanken.

Man muß dem Steuermann zugestehen, daß
er die Riesen-Yacht perfekt im Griff hatte: Gekonnt steuerte er in
die Bucht und durch das Ankerfeld an uns vorbei. Dann kam das für
uns Unfassbare: Er will tatsächlich schräg vor uns ankern! Nicht
nur, dass da überhaupt kein Platz für das große Schiff ist, es
wäre auch keine 30m neben uns gelegen, mit Generatoren, die die
ganze Nacht einen unerträglichen Lärm machen mit dem Auspuff direkt
neben uns. Von der lautstarken Silvesterparty, die dort
wahrscheinlich steigen sollte ganz abgesehen. Das wäre es dann
gewesen mit unserem ruhigen und besinnlichen Jahreswechsel ! Und dann
nimmt uns dieser protzige Blecheimer auch noch die Sicht auf die
schöne Insel!!!

Seinen erster Ankerversuch hat er
abgebrochen, weil abzusehen war, dass da Schiffe im Weg sind.

Dann kam das kleine Motorboot mit einem
Herrn, der sich wichtig machte und anfragte, ob wir uns nicht etwas
weiter nach hinten verlegen könnten. Wir erklärten freundlich,
aber bedauernd unsere Ankersituation mit eingeschränkter
Manövrierbarkeit.

Für uns war klar: Wir wollen jetzt
nicht bei 25 Knoten Wind unsere beiden Anker aufholen, nachdem sie
nun endlich zuverlässig halten, sondern entspannt den letzten
Nachmittag des Jahres genießen.

Unser argentinischer Nachbar ließ sich
einschüchtern und holte den Anker seines kleinen Segelbootes auf.
Jetzt waren nur noch wir im „Wege“.

Dann kam ein skurriles Manöver dieser
Yacht, das vielleicht als Einschüchterungsversuch zu deuten war: Der
Kapitän steuerte das Schiff mit seinem Bug direkt zu unseren Ankern,
die mit einer Boje markiert waren. Es hatte erst so ausgesehen, als
ob er dort seinen Anker werfen wollte. Aber das wäre ja völlig
idiotisch gewesen, weil sich auch eine solche Yacht in den Wind legt
und er damit voll auf uns draufgerummst wäre. So verblödet kann
nicht mal der Kapitän einer Protzyacht sein, der meint, ihm gehört
die Welt.

Entweder wollte er mit seinem
Bugstahlruder, das einen gewaltigen Wasserschwall erzeugt, unsere
Anker aus dem Sand pusten. Oder noch perfider, er wollte seinen Anker
auf unsere werfen und dann wieder aufholen, um unsere damit auch
auszubrechen.

Nachdem er auf unsere Kontaktversuche
über Funk nicht reagierte, blieb uns nichts anderes übrig, als dem
Treiben fassungslos zuzuschauen.

Dann kam wieder das kleine Motorboot
mit dem aufgeblasenen Typen. Er bat erneut, dass wir uns verlegen
sollten. Es hatte jetzt schon eher den Ton einer Aufforderung. Petra
erkärte ihm nochmal, warum wir das nicht machen würden. Auf
Nachfrage, welche Rolle er denn innehabe antwortete er, er sei der
Agent, der mit der Einklarierung der Yacht beauftragt worden war. Er
habe dem Kapitän „versprochen“, daß er hier ankern könne und
wir sollten das jetzt bitteschön ermöglichen. Wieder erklärte ihm
Petra, warum das für uns ein gefährliches Manöver wäre, bei dem
Wind und mit nur einem Motor. Dann bot er uns Geld! „I give you 50
Dollar, no, I give you 100!“

Seine Argumente reichten von „Geld
und Fortschritt“, den diese Leute auf die Insel brächten bis zu
„ich MUSS für dieses Schiff hier einen Platz haben“.

Dabei lassen solche Leute außer Müll
und Dieselabgasen (und dem Agenten-Honorar) NICHTS auf der Insel. Sie
haben alles dabei, was sie brauchen, und was fehlt wird eingeflogen.

Die Diskussion dauerte nicht mehr
lange, weil Petra nicht im Traum daran dachte, sich erweichen zu
lassen, warum auch. Wir und die ganze Ankerbucht hätten nur
Nachteile davon gehabt.

So sind sie wieder abgezogen, und
niemand hat ihnen eine Träne nachgeweint, diesen armen, armen
Leuten.

Share the Post:

neueste Beiträge

Monkey Island

Nach fast drei Wochen Trockendock liegen wir noch eine Woche vor Anker in der Linton Bay. Gegenüber der Marina liegen

Read More