Balearen – Sardinien: Segeln zu Corona-Zeiten

Menorca, Isla Colom

Mit dem September endet auch unser
kurzer balearischer Sommer. Doch der Start Richtung Sardinien
verzögert sich, weil ein weiteres Sturmtief naht. Wir gönnen uns
noch zwei Hafennächte in Porto Cristo, der um zwei Drittel
günstigeren Oktobertarif macht es erschwinglich. Wir haben Zeit, uns
von unserem „Heimathafen“ zu verabschieden, von alten und neuen
Freunden dort, Zeit, einmal alle Betten und Sitzbezüge
durchzuwaschen und per Mietwagen noch eine kleine Inselrunde zu
drehen.

Am National-Feiertag heißt es “Leinen
los!“ und wir vier, Robert, Nadine, Berti und ich lassen uns von
immer noch beeindruckenden Wellen und einem achterlichen Wind
Richtung Menorca schieben.

Wir kommen dort am Abend an, nach
Einbruch der Dunkelheit und vor Aufgang des Vollmondes. Daher
entscheiden wir uns, nicht in die Bucht von Mahòn, der
menorquinischen Hauptstadt, einzulaufen und gegen die enge Einfahrt
in die stadtnah gelegene Ankerbucht. Lieber fahren wir noch eine
weitere Stunde durch die Nacht und ankern dann vor der Isla Colom ,
einem uns wohlbekannten großflächigen „Sandkasten“. Es zeigt
sich, daß es eine gute Entscheidung war, denn das Naturschutzgebiet
dort ist wunderschön, das Wasser trotz böigem Wind vom Land her
recht ruhig und türkisfarben. Wir genießen einen letzten freien
Sonntag mit Wandern, Schwimmen und Basteln.

Da wir aus dem „Risikogebiet Spaniern“ nach Italien einreisen werden wird von uns ein negativer Covid19- Test verlangt, der bei der Einreise nicht älter als 72 Stunden sein darf.

Am Montagmorgen
haben wir einen Termin im Krankenhaus von Mahon.
Dachten wir…. Nachdem wir in aller Hergottsfrühe aufgestanden sind
und per Taxi dort ankommen erfahren wir, daß man nichts von unserem
Termin weiß…..Doch man hat Erbarmen mit uns vier Seeleuten, und
wir dürfen uns – nach 5 Stunden Wartezeit / Stadtbummel / Shopping
/ Sightseeing / Kaffeetrinken ein sehr unangenehmes und
darüber hinaus sehr teures Wattestäbchen durch die Nase bis zum
Anschlag hinaufschieben lassen. Eins? Nein, für SOVIEL Geld gibt es
ein Stäbchen für JEDES Nasenloch! Eine ärztliche Konsultation wäre
auch noch im Preis inbegriffen, doch darauf wollen wir nicht auch
noch warten…..

Am späten Nachmittag können wir
endlich den Anker lichten. Sofort werden die Segel gesetzt und wir
brausen auf Halbwindkurs nach Osten, der untergehenden Sonne
entgegen! 

                        

240 Seemeilen sind es bis zur
sardischen Küste, dafür braucht man normalerweise zwei bis drei
Tage. Wir haben zwar einen wilden Ritt vor uns mit mächtigen Wellen
von hinten, aber auch lange Phasen, in denen wir konstant über 8
Knoten Geschwindigkeit haben. Am zweiten Tag kommt unser „Wingaker“
zum Einsatz, was die Schiffsbewegungen gleich sehr viel ruhiger
macht. Die großen Wellen, die unser Heck anheben und uns mit 10
Knoten den „Berg“ hinuntersausen lassen verschaffen uns schöne
Achterbahngefühle.

Trotz widriger Umstände wird ausgiebig
gekocht. Die Töpfe darf man eben nicht unbeaufsichtigt lassen, und
auch sonst macht sich so einiges auf die Wanderschaft oder fliegt
durch die Luft.

Eine unserer Motorenwannen setzt sich
auch in Bewegung, das heißt, ein Sicherungssplint hat sich durch die
aggressiven Wellen, die von unten dagegen schlagen, herausgearbeitet.
Der Captain hat es beim Outside-Check glücklicherweise
festgestellt, bevor Schlimmeres passieren konnte. Die Aufhängung
wird mit Leinen gesichert, und wir wechseln eben auf den Motor auf der
anderen Seite, wenn wir ihn brauchen.

Unter solchen Umständen leidet das
Material immer etwas, und was schlecht befestigt  (Sitzkissen)
oder schwach ist (Schäkel, Leinen) macht den Abflug oder bricht.
Doch die wichtigen Sachen, Kanu, SUP, haben wir weggeräumt, das
Dinghi, ohne Motor, umgedreht und auf der mittleren Heckrampe
festgebunden. Ein bißchen lernfähig sind wir ja dann doch. Man
erinnert sich gern (?) an den Dinghi-Abflug auf den Kapverden, der
einen Rampenbruch und (dadurch) ein verklemmtes Ruder zur Folge
hatte. Zwei Stunden lang mußte Berti damals mit der Notpinne durch
schwere See steuern, mit Gurten an den Rumpf gebunden, damit er nicht
auch noch abrutschte. Das Dinghi könnten wir verschmerzen, unseren Käppten jedoch nicht!

Doch soviel Drama gab es gar nicht auf
dieser Fahrt. SCHNELL waren wir aber, und schon am zweiten Morgen
kamen wir – wieder vor Tagesanbruch- an der sardischen Küste an.
Nun hieß es „bremsen“, denn nach Santa Teresa di Gallura im
Norden, wo wir im Hafen angemeldet sind, können wir nicht, denn in
der Straße von Bonifacio ist mal wieder der Teufel los. Wir brausen
unter wolkenbedecktem Nachthimmel durch tintenschwarze Nacht um die
Isola Asinara herum und endlich liegt die große Bucht von Porto
Torres vor uns. Mit zwei bis drei Knoten dümpeln wir dahin, um bei
Tagesanbruch vor der Hafenmauer endlich den Anker zu werfen.

Hier möchten wir stolz unsere
mittlerweile per email angekommenen negativen Testergebnisse
vorzeigen und unsere Einreise in Italien dokumentieren. Doch die
Guardia Costiera schickt uns stante pede (bzw. stante dinghi) wieder
zurück an Bord : Wir müssen in Quarantäne bleiben, bis wir von der
Gesundheitsbehörde, die unsere Unterlagen per email erhalten hat
das OK bekommen.

Schade, denn mit einem Cappuccino und
einer Pizza hätten wir schon gern unsere Ankunft in Bella Italia
gefeiert. Und etwas fester Boden unter den Füßen wäre auch
angenehm gewesen, denn die Largyalo hüpft und stampft vor Anker, als
wären wir noch mitten auf dem Meer.

Aber wir sind es ja gewohnt, in unseren
Betten herumgeworfen zu werden……

Morgen in aller Frühe geht es weiter
nach Norden!

vor Porto Torres

Von wegen! Kaum hatte ich den Laptop mit dem Entwurf für diesen Bericht zugeklappt, um Nadine’s köstliches Linsencurry anzurichten, ruft
Robert: „Wir bewegen uns Richtung Felsen!“.

Das verdirbt uns gründlich den Appetit
und nach kurzem Überlegen, ob wir den Anker neu setzen oder die
Situation erst mal beobachten (!) wollen, entscheiden wir uns zur
Weiterfahrt.

Lieber unterwegs, alsvor Anker unruhig schlafen. Es folgen 10 sehr ungemütliche Stunden: eine
drei Meter hohe Dünung rollt seitlich unter uns durch. Zuerst hebt
sich der Backbord-Bug bis zu erstaunlicher Schräglage, dann geht es
-bestenfalls- auf der anderen Seite wieder hinunter. Wellen sind aber
-im Mittelmeer- selten regelmäßig. So fällt es der einen oder
anderen ein, sich zwischen unseren Rümpfen auch mal zu brechen, und
das hat dann lautes Rumsen und harte Schläge zur Folge. Das
Küchendach ist abgesenkt, als ich gerade Tee koche kracht eine
Welle darauf nieder, daß ich das Gefühl habe, durch die Waschanlage
zu fahren! Erstaunlicherweise geht wenig zu Bruch, auch wenn unsere Tassen im Schrank hüpfen. Mein Kleiderschrank leert sich mal wieder
vollautomatisch. ( Sollte sowieso schöner eingeräumt werden) An
Schlaf ist kaum zu denken. Gegen Morgen glätten sich die Wogen  etwas, und um halb sieben fällt der Anker am Capo Testa,
ganz im Norden der Insel. Hier in der Baia Reparata sind wir vor Wind
und Welle geschützt und schlafen uns erst einmal aus.

Im Lauf des Vormittags kommt auch das
OK der Gesundheitsbehörde, und wir dürfen in die Marina von Santa
Teresa di Gallura einlaufen. Zum stolzen (Nachsaison-) Preis von 112
Euro dürfen wir am „dorfseitigen“ Kai der Marina anlegen,
direkt an der Straße. Um zum Hafenbüro oder den Duschen zu kommen
muß man entweder einen Kilometer laufen, oder sich per Schlauchboot
abholen lassen. Da die Duschen dann auch noch EXTRA kosten ziehen wir
unsere eigenen sanitären Anlagen vor, die dank Landstrom und unserem Warmwasser-Boiler
sehr viel komfortabler sind. 

Den ersten Cappuccino gibt es dann
gleich gegenüber im Café mit Blick aufs Schiff und unsere Matrosen,
die die dicke Salzkruste vom Deck spülen.


                                

Share the Post:

neueste Beiträge

Monkey Island

Nach fast drei Wochen Trockendock liegen wir noch eine Woche vor Anker in der Linton Bay. Gegenüber der Marina liegen

Read More