Die erste Nacht vor Anker im Südosten der Insel Vulcano haben wir sehr genossen. Natürlich kamen wir wieder einmal nachts dort an, nachdem wir in Capo d’Orlando ein Crewmitglied aussteigen ließen. Das Ankern klappte hervorragend und wir verbrachten eine ruhige Nacht in der Abdeckung vor dem kräftigen Mistral.
Früh am nächsten Morgen- es bleibt gerade noch Zeit für ein Bad im kristallklaren Wasser über schwarzem Vulkansand- geht es schon weiter. Der Nordwest schiebt uns angenehm in die Einfahrt der Straße von Messina. Dort wollen wir einen Boxenstop einlegen, um unseren Covid-Test zu machen, der für Griechenland vorgeschrieben ist. Doch kaum passieren wir die großen Türme links und rechts der Einfahrt beginnt auch schon das wohlbekannte Messina Strait- Phänomen: eine kräftige Gegenströmung bremst unsere beiden kräftigen Diesel derart, daß wir nur noch 2 Knoten Fahrt machen.
Die Straße von Messina ist seit ältester Zeit wegen ihrer gewaltigen Tiden und unglaublichen Strömungen gefürchtet und berüchtigt. Tektonische Besonderheiten am Meeresboden verursachen diese Besonderheit, die schon Homer in der Odyssee beschrieben hat
So kommen wir erst am späten Nachmittag am Ankerplatz vor einem kleinen Strand mit Surfschule an. Ein Freund wohnt hier in der Nähe und hat uns diesen Platz und auch ein Testlabor in der Stadt empfohlen. Fürs Testen ist es schon zu spät, doch Mauro erwischt mit knapper Not noch seinen Zug nach Termini Imerese, von wo aus er mit seinem Auto und der Fähre zurück nach Deutschland fährt.
Wir übrigen vier, Manfred, Stefan, Berti und ich verbringen eine recht ruhige Nacht, nachdem wir tauchenderweise überprüft haben, daß der Anker gut eingegraben ist. Während der Nacht bewegen wir uns kräftig um den Anker herum, das Wasser rauscht an uns vorbei, als lägen wir in einem reißenden Fluß, oder als segelten wir mit 6 Knoten Geschwindigkeit.
Am frühen Morgen weckt uns ein kräftiges Gewitter und in strömendem Regen bei beachtlichen Wellen fahren wir mit dem Dinghi an Land. Wir sollen Punkt acht Uhr im Labor sein, damit wir auch sofort dran kommen. Unser Testergebnis darf bei Ankunft in Griechenland nicht älter als drei Tage sein ( wenn es denn überhaupt kontrolliert wird….) Per Taxi fahren wir die vier Kilometer in die Stadt, bekommen das Stäbchen in Rachen und Nase und gehen erst einmal gemütlich frühstücken. Noch ein wenig frisches Gemüse einkaufen, dann beschließen wir, die 20 Euro fürs Taxi zu sparen und zu Fuß am Hafen entlang zurück zu unserem Surferstrand zu gehen.
Es ist doch ganz schön weit, deshalb bin ich ganz erfreut als ich die Largyalo unverhofft früh erblicke.
Die Freude währt nur kurz, denn vor mir sehe ich plötzlich den Kapitän mit Vollgas losrennen. Das Schiff ist nicht mehr da, wo wir es verlassen hatten, sondern kommt uns ENTGEGEN!! Der Anker hat sich gelöst und sie driftet die Straße von Messina hinunter. Denke ich, während ich ebenfalls losgaloppiere. Doch Manfred peilt seemännisch und konstatiert, daß sie STEHT. Hinschwimmen ist gefährlich, bei der starken Strömung, also stürmen wir zum Dinghi und fahren schnell hinterher.
….da schleicht sie sich davon!
Erst als die Motoren laufen, und alles wieder unter Kontrolle ist entspannen wir uns wieder. Der Anker hatte sich auf 20m Tiefe dann doch irgendwo verhakt, glücklicherweise hatten wir viel Kette herausgelassen.
Kikisoso Largyalo, mal wieder alle Schweine des heutigen Tages aufgebraucht!
Das kommt in die Kategorie „Ankergeschichten“, von denen wir ja nun mittlerweile einige haben!
Wir fahren dann gleich weiter, mit ganz wenig Motoren-Umdrehungen schiebt uns die Strömung mit bis zu 9 Knoten nach Süden. Weiter unten, schon nahe der kalabrischen Küste setzen wir die Segel und sind mit schönen 7 bis 8 Knoten zügig unterwegs Richtung Osten.






