Von den Tuamotus zu den Gesellschaftsinseln
Rangiroa
Mit Hella, die über Singapur, Auckland und Papeete nach Rangiroa einfliegt kommt Kultur!


Wir haben das große Glück, pünktlich zu einem fünftägigen Festival auf der Insel anzukommen.
Es gibt spannende Wettkämpfe, wie zum Beispiel ein kombinierter Schwimm- und Laufmarathon, Pirogen-Paddeln, „Hinkelstein“-Heben, Wettrennen mit Obstplatten, Kokospalmen-Klettern, und natürlich Tanz- und Gesangs-Wettbewerbe. Alles umsonst und draußen, und darüber hinaus auch noch direkt vor unserem Ankerplatz!



Auch hier ist das Tauchen und Schnorcheln ein Genuß. Wir lassen uns freitauchend durch den Tiputa-Paß treiben, immer mit unserem Dinghi an einer langen Leine verbunden, und sehen Delfine, Rochen und Haie. Aber auch im Detail kann man die wunderbar intakte Korallenwelt stundenlang beobachten: zutrauliche Fischlein in allen Farben und Formen, die Korallenköpfe wirken wie kunstvoll arrangierte Gestecke mit ihren verschiedenfarbenen Bewohnern.

Nach einer Woche geht es wieder nach Osten, 120 NM bis nach Toau. Ein Teil der Crew hat das Festival-Food nicht gut vertragen, und so muß „Schwester Hella“ die aktiven Matrosen mit Kamillentee und Bauchweh-Medizin versorgen. Die Einfahrt ins Atoll von Toau ist WIRKLICH beeindruckend: stehende, brechende Wellen und Strudel im Pass. Doch diesmal funktioniert die Technik einwandfrei, und wir rauschen mit Vollgas hinein in die herrlich stille Lagune, wo wir uns ausgiebig erholen können.





Danach geht es nochmals zum Kiten und Tauchen nach Fakarava- Süd. Doch zunächst einmal stehen wir vor dem Problem, daß es in Rotoava, dem Hauptort von Fakarava am Nordpaß, keinen Sprit gibt!! Die Lagune von Fakarava ist mit 1153 qkm die zweitgrößte in Französisch-Polynesien. (Der Starnberger See paßt da 20 mal rein!). Unter Spinnaker segeln wir die 60 km zum Südpaß und verbrauchen nur wenig von unserer knappen Reserve. Die dortige Tauchbasis, mit der wir einen Tauchgang an der „Wall of Sharks“ vereinbart haben versorgt uns mit ausreichend Benzin, damit wir es wieder zurück in den Norden schaffen würden, sollte es keinen Segelwind geben. Wir werden direkt an unserem Schiff vom Tauchboot abgeholt, bevor wir zwei unvergeßliche Tauchgänge zwischen Hunderten von Haien erleben.
Unser Tauchguide ist ganz begeistert von unserem Schiff und so bekommen wir in den folgenden Tagen viel netten Besuch. Während eines Spaziergangs entlang des schmalen Atolls entdecke ich frische Kokosnüsse und frage „anständig“ die in der Nähe arbeitenden Leute, ob ich welche mitnehmen darf. Das sehr nette Paar ist gerade dabei, viele Kokosnüsse aufzuschlagen, damit die frei herumlaufenden Schweine sie fressen können. Mit ein paar Machetenschlägen werden dann erst einmal ein paar Nüsse geköpft, und gemeinsam trinken wir erst mal einen. Dann beladen sie mich mit Nüssen, bzw. tragen sie sie mir bis zum Dinghi! Am Abend sind wir und viele andere Segler dann zum Lagerfeuer bei ihnen eingeladen. Jeder bringt sein Bier selber mit, wir ernten viel Applaus für unsere 1,5 liter Flasche Rotwein, Panama sei Dank! Ein wirklich interessanter Abend!
Nach vielen Stunden über (Eva mit Kite) und unter (wir alle beim Tauchen und Schnorcheln) Wasser, wird es langsam Zeit, Richtung Tahiti zu segeln, wo Evas Eltern bald eintreffen werden.
Wir segeln wieder nach Rotoava, wo wir jetzt hoffentlich Benzin bekommen werden. Doch Pustekuchen, das Versorgungsschiff ist noch nicht eingetroffen. Am nächsten Tag ist es endlich da, und wir „besetzen“ gleich mal die Zapfsäulen mit unseren leeren Kanistern, denn praktisch alle Autos der Insel stehen in einer Schlange vor der Tankstelle! Da wir „Normal“-Benzin brauchen und keinen Diesel, wie die meisten anderen Schiffe, haben wir Glück und können genug tanken.
Auf nach Tahiti! Wieder ein „kleiner“ Sprung von mehreren Hundert Seemeilen. Und WIEDER haben wir ein Leck in der Hydraulik, diesmal in einem anderen Schlauch! Ein weiterer Minuspunkt für die Kolumbianer. Diesmal trifft es uns härter, denn wir müssen eine ganze Nacht lang, zeitweise in strömendem Regen an der Pinne sitzen. Länger als eine Stunde hält man das nicht aus, denn es ist viel Konzentration nötig, um den Kompaß im Auge zu behalten und genau zu steuern. Einmal kurz abgelenkt, losgelassen, oder nicht aufgepaßt, und der „Kahn läuft aus dem Ruder“, und muß mühsam mit Motorhilfe wieder auf Kurs gebracht werden. Doch dank ausreichend WoManPower durchstehen wir auch diese „Nacht der langen Messer“ und freuen uns überdurchschnittlich über den Anblick der sattgrünen Berge von Tahiti.
Am „Point Venus“ im Norden fällt unser Anker, und wir in unsere Kojen. Dann der positive Kulturschock beim ersten Landgang. Die erste STADT seit Panama City! Supermärkte mit einem herrlichen Obst und Gemüse-Angebot, mit herrlichen Mangos schwer behängten Bäumen, viel Autoverkehr, wunderbare Pizza, gutem Cappuccino! Worüber man sich so freuen kann, wenn man es längere Zeit nicht hatte! Wobei wir eigentlich nie wirklich etwas vermisst hatten auf den abgelegenen Inseln. Wir hatten ca. zwanzig Pampelmusen aus Nuku Hiva mitgenommen, die uns lange mit Obstvitaminen versorgt hatten.
Wir erkunden die Hauptstadt Papeete mit dem schönen Markt, auf dem es auch viel Kunsthandwerk und Perlen gibt. Hier sehen wir auch zum ersten Mal „arme Leute“. Es gibt Penner, Bettler und auch ein paar Crackies laufen uns
über den Weg. Doch nichts, was Frankfurt, München oder Pforzheim Konkurrenz machen könnte.
Wir heißen unsere neuen Crewmitglieder willkommen, die sich in kürzester Zeit wieder wie zu Hause fühlen an Bord. Sind sie doch erst im Februar bei uns auf den San Blas Inseln gewesen, und auch vorher schon viel mit uns gesegelt in Griechenland, Mallorca, Honduras und Panama.
Das Wetter wird nun regnerisch, die Monsunzeit beginnt. In kurzen Etappen segeln wir von Tahiti aus nach Moorea, dann weiter nach Huahine und Raiatea. Diese sogenannten „Gesellschaftsinseln“ sind nicht so abgelegen und abgeschieden wie die Marquesas oder Tuamotus. Der europäisch-amerikanische Einfluß ist hier zu spüren und der Tourismus ist deutlich stärker. Dennoch finden wir hier paradiesische Fleckchen, zumal es jetzt in der Nebensaison viel weniger Segler gibt. Eigentlich haben die Gesellschaftsinseln die wunderschönen grünen Berglandschaften den Marquesas kombiniert mit dem türkisfarbenen Wasser und den weißen Stränden der Tuamotus.




Bora Bora, das Traumziel des Pazifiks steht ganz oben auf der Wunschliste unserer Matrosen. Und sie ist auch wahrhaftig ein Traum! Wenngleich sie bei uns mittlerweile die B-Insel genannt wird, weil Tony Marschall’s „Booora Booora hee“ rauf und runter gespielt wurde, und man diesen Ohrwurm direkt wieder ins Gehirn gespült bekommt, sobald man diese beiden Worte hört. Selbst im Supermarkt lief der Song, dankenswerterweise in polynesischer Sprache. Wer’s nicht kennt, hier bitteschön:
Viel Spaß mit dem Wurm im Ohr!
Zurück in Raiatea besteigen unsere Matrosen die Schnellfähre nach Papeete, denn der Wind paßt nicht für uns Segler. Statt mit fünf Knoten unter Motor für einen Tag lang gegenan reist man angenehmer mit 30 Knoten in viereinhalb Stunden dorthin.
In Raiatea warten wir auf besseres Wetter und guten Wind, um zurück nach Tahiti zu kommen. Dort wartet noch einiges an Arbeit auf uns, denn die Largyalo will gut aufgeräumt, gesäubert, verpackt und abgetakelt werden, bevor wir sie für zwei Monate zurücklassen.



