Von den Marquesas zu den Tuamotus

-Obst wird kaum verkauft, sondern verschenkt, oder man kann es sich einfach nehmen. Am meisten gibt es riesige, sehr wohlschmeckende Pampelmusen und Pomelos,  Kokosnüsse, Papayas und Zitronen.

Von den Marquesas zu den Tuamotus

Fenua Enata –Die wildschönen Marquesas

Fun Facts:

-Es reisen mehr Touristen in die Antarktis als auf die Marquesas

-Die marquesischen Tätowierer sind die besten der Welt (wir haben trotzdem keins stechen lassen)

-Hühner (meist Hähne), Ziegen und Schweine rennen überall frei herum.

-Pferde stehen oft an langen Leinen angebunden irgendwo in der Landschaft und sind ein wichtiges Fortbewegungsmittel außerhalb der wenigen geteerten Straßen.

-Fast jeder Marqueser besitzt einen Toyota Hilux Allrad Jeep. Werden vom Staat subventioniert.

-Müllrecycling ist vorbildlich, zumindest gibt es überall Behälter. Und überhaupt ist nirgends Müll zu sehen. Weder im Wasser, noch an den Stränden und auch nirgends an Land.  Ein so sauberes Land haben wir noch nie erlebt.

-Die vorherrschende Hunderasse ist ein Pitbullgemisch. Hunde werden für die Jagd auf wilde Schweine und Ziegen benutzt.

-Die Fischer fangen ausschließlich Yellowfin Thunfisch und Bonitos. Thunfisch wird vorwiegend roh in Kokosmilch gegessen.

-Brotfrucht ist ein wichtiges Gemüse, schmeckt wie süßliche Kartoffel in teigiger Konsistenz. (Wir „feiern“ sie nicht)

-Obst wird kaum verkauft, sondern verschenkt, oder man kann es sich einfach nehmen. Am meisten gibt es riesige, sehr wohlschmeckende Pampelmusen und Pomelos,  Kokosnüsse, Papayas und Zitronen.

Avocados und Mangos hängen überall an den Bäumen, sind aber noch nicht reif.

-Gemüse und Salat sind rar und teuer. Am ehesten gibt es eine Art Mangold oder Pak Choi, Tomaten und tolle lilafarbene Süßkartoffeln.

-Man bezahlt hier mit Polynesischen Francs, die sind an den Euro gebunden, lassen sich aber leichter in Dollar umrechnen: Ein Baguette kostet 70 PQF, entspricht 70 US Cent, oder 60 Eurocent.

Das ist aber auch das billigste Lebensmittel, weil vom Staat geregelter Preis. Ansonsten ist alles einfach 3 -4 mal so teuer wie bei uns. (Ein Kohlkopf SIEBEN Euro! 1L Milch 4 Euro, eine Flasche Schampus 160 Euro)

-Die Männer sind oft stark tätowiert, manche sogar im Gesicht. Die Frauen haben aber weniger Tattoos, tragen aber fast immer eine duftende Blüte hinter dem Ohr.

-Es gibt sehr viele, sehr große Frauen! Allerdings auch viele sehr korpulent. Letzteres trifft auch auf die Männer zu. Im weltweiten Adipositas-Ranking nehmen die polynesischen Inseln Spitzenplätze ein.

-Wir haben kein einziges einheimisches Segelboot gesehen. Die einzigen Wasserfahrzeuge sind motorisierte Fischerboote und Ausleger-Kanus, die aber nur als Sportgerät benutzt werden.

-Wenn die Aranui oder ein anderes der wenigen Kreuzfahrtschiffe die Inseln anlaufen, werden die Passagiere mit „paquebots“, kleinen Rettungsbooten, an Land gebracht. Dort werden sie mit großem Tamtam (im wahrsten Sinn des Wortes) empfangen: Tanzdarbietungen und Kunsthandwerk wird gezeigt, dann werden alle mit Jeeps einmal über die Insel kutschiert, und nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei und alles fällt zurück in die normale, sehr  entspannte Nicht-Aktivität.

Wir Segler dürfen die Veranstaltungen für die Kreuzfahrer auch besuchen und erfahren dabei zum Beispiel, wie das duftenden Tiaré- Öl hergestellt wird, und wie die Tappas, die Stoffstreifen aus Baumrinde gemacht werden.

-Eine Fahrt über die Insel (nur auf Nuku Hiva und Hiva Oa möglich) ist insofern sehr interessant, weil man dabei auf jeder der Inseln mehre völlig unterschiedliche Landschaften und Vegetationen antrifft.

-Von meinen sechs Wochen auf den Marquesas war ich an fünf Sonntagen in der Kirche! Die katholischen Gottesdienste sind zwar recht lang, aber die mehrstimmigen Gesänge, begleitet von Ukulele, Trommel und Gitarre sind wunderschön. Alle sind herausgeputzt, die Frauen tragen geblümte Kleider mit langen Ärmeln und Blumenkränze im Haar. Das Zeremoniell ist aufwendig und stellenweise mysteriös, aber sehr unterhaltsam. Am Ende des Gottesdienstes faßt man sich an den Händen zum letzten Gebet, dann schüttelt man seinen Nachbarn die Hand und wünscht einen schönen Sonntag. Draußen vor der Kirche wird dann das „kai-kai“, das Essen verkauft, das sich jeder (leider in Einweg-Verpackung) mit nach Hause nimmt, denn sonntags bleibt die Küche kalt.

-Unsere Wanderungen zu Wasserfällen und auf Berge waren spektakulär. Überhaupt geht hier jedem Kletterer und Gleitschirmflieger das Herz auf!  Auf den Wegen durch den Dschungel findet man oft mehrere Hundert Jahre alte Siedlungsreste oder Kultstätten.

-Und überall begegnet man den Tiki – Statuen. Das sind traditionelle polynesische Holz- oder Steinskulpturen, die mythische Ahnen oder Götter darstellen.  

-Die Unterwasserwelt ist nicht weniger aufregend: wir sind auf Fatu Hiva mit riesigen Mantarochen geschnorchelt, waren in Tahuata mit Hunderten von Spinner-Delfinen im Wasser, die so heißen, weil sie oft aus dem Wasser herausschießen und dabei herumwirbeln (to spin). Tatsächlich wirken sie ein bißchen durchgedreht, weil sie auf Brautschau sind.  Wir haben jetzt eine funktionierende Tauchausrüstung an Bord und haben zu dritt aufregende Tauchgänge gemacht.

Das Wasser ist hier sehr nährstoffreich durch das viele Süßwasser, das aus den Bergen herabfließt.. Dementsprechend schlecht ist  leider oft die Sicht. Durch das Vulkangestein, aus dem die Inseln bestehen ist der Untergrund oft dunkel, was die Überraschung noch größer macht, wenn unvermittelt ein Hai neben einem erscheint… Doch glücklicherweise sind sie selten neugierig, meist scheu und an Menschenfleisch nicht interessiert. Anders ist es schon, wenn sie Blut „geleckt“ haben, da geraten sie dann schnell in einen wahren Freßwahn. Wenn am Fischerkai  von Nuku Hiva die frisch gefangenen Thunfische

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 ausgenommen werden, dann brodelt das Wasser vor großen Haien!  Da wird auch schon mal aus Versehen in den Kollegen reingebissen! Wir haben einige Haie mit bösen Wunden und angeknabberten Rückenflossen gesehen.

-Transgender Menschen sind hier sehr oft zu sehen. Ähnlich wie in Kuna Yala wird das hier sehr offen gelebt, auch werden diese meist wunderschön gekleideten und geschminketen Mannfrauen sehr geschätzt und haben oft künstlerische oder Lehrberufe.

-Die Leute sind alle sehr freundlich zu uns Seglern. Englisch wird nur sehr wenig verstanden, die Amtssprache ist Französisch, das jeder mit mehr oder weniger starkem polynesischen Akzent spricht. Erst seit den Achzigerjahren wird in den Schulen und Familien wieder marquesisch gesprochen. Das ist eine andere Sprache, als die die in Tahiti gesprochen wird. Man sagt hier zur Begrüßung Ka’oha, während man in Papeete „Ia ora na“ sagt. Wenn ich die Kinder nach ihren Namen gefagt habe bekam ich immer zwei „angeboten“, einen marquesischen und einen französchen.

-Es gibt hier keine Armut, alle sind sehr wohlgenährt, haben entweder Arbeit oder werden staatlich unterstützt. Jeder Insulaner kann auf Kosten der Krankenkasse zur Behandlung nach Tahiti fliegen, falls notwendig. Auf den kleineren Inseln gibt es Schulen und Krankenstationen, in Nuku Hiva sogar ein Krankenhaus. Man sieht niemanden betteln, man sieht aber auch niemanden schuften.  Sehr gut abzulesen an den Öffnungszeiten von Geschäften und Postdienststellen. Alles ist sehr entspannt,  die Menschen gehen sehr freundlich miteinander um, es wird viel gelacht und besonders die Kinder sind sehr offen und neugierig.

-Paul Gauguin malte und lebte hier, Jaques Brel, der berühmte französische Chansonnier verbrachte hier seine letzten Lebensjahre und Thor Heyerdahl, der norwegische Abenteurer forschte auf Fatu Hiva, und entdeckte die Verbindung zwischen der peruanischen und der polynesischen Bevölkerung.

Jacques Brel’s Flugzeug 

-Eine andere „berühmte“, aber noch lebende Persönlichkeit auf Ua Pou ist Manfred der Schokomann. Ein ebenso interessanter wie auch skurriler Typ. Der Deutsche lebt und arbeitet schon einige Jahrzehnte in Französisch Polynesien. Seit einigen Jahren hat er begonnen, eigene handgemachte Schokolade in exotischen Geschmacksrichtungen herzustellen. Alle von fantastischem Geschmack, so daß er sogar schon von Chocolatiers aus aller Welt besucht wurde. Er hat viel und Interessantes zu erzählen, was  er auch sehr gerne und ausführlich tut. Besonders gerne erzählt er auch versaute Flachwitze.

„Fenua Enata“ : „Land der Menschen“, so nennen die Leute hier ihre Inseln.

-Man könnte auch sagen: „Land der Menschenfresser“ denn früher sollen die Marquesen, wie die meisten Polynesier, Kanibalen gewesen sein. Der letzte Fall von Kanibalismus war möglicherweise 2012, dem ein deutscher Segler zum Opfer fiel. Es ist zwar nicht bewiesen, aber einige Indizien deuten darauf hin.

Fatu Hiva, Tahuata, Ua Pou, Hiva Oa und Nuku Hiva – diese Inselnamen, die wir noch vor zwei Monaten unaussprechlich, un-unterscheidbar und nichtssagend fanden– haben sich für immer in unsere Erinnerung eingeprägt.

...und WEITer geht’s!

Nach sechs Wochen auf den Marquesas machen wir uns auf den weiten Weg zu den Tuamotus.

Die Fahrt dauert fünf Tage und fünf Nächte: Eine lange Strecke, und trotzdem sind wir immer noch im gleichen Land, in Französisch Polynesien. Doch was für ein Kontrast! Statt steil aufragender Berge und sattgrünem Dschungel, mit denen die Marquesas schon von weitem am Horizont auszumachen waren, sehen wir Fakarava, unsere erste Tuamotu- „Insel“ erst kurz bevor wir das Riff erreichen. Die meisten Tuamotus (Tua=entfernt,  motu=Insel) sind Atolle, das heißt, sie bestehen aus flachen, meist palmenbewachsenen Korallenriffen, die sich um einen versunkenen Vulkan herum gebildet haben. Der Vulkankrater ist die Lagune, in die man über mehr oder weniger enge Pässe hineinkommt.

Nicht umsonst wurden die Tuamotus früher „les îles dangereuses“, gefährliche Inseln, genannt und selten besegelt. Dank GPS, Satellitenbildern und moderner Navigations-Software kann man heutzutage relativ einfach hier herumfahren. Trotzdem sind wir schon sehr beeindruckt, als wir durch den Nordpaß von Fakarava in die Lagune einfahren: Draußen tosende Wellen, im Paß dann extrem starke Strömung und stehende Wellen – große Augen, Vollgas, bange Minuten, und dann sind wir „drin“: ruhiges, türkisfarbenes Wasser, ein echter Südsee-Traum. Nach unserer langen Fahrt von den Marquesas konnten wir nicht den optimalen Zeitpunkt zur Durchfahrt wählen, daher mußten wir gegen die auslaufende Tide in die Lagune hinein. Das ist aber bei diesem Pass, der sehr breit ist kein Problem.  In Zukunft werden wir uns aber genau nach der Tidentabelle richten und stets bei „Stillwasser“ (slack tide), das ist der Wechsel des Gezeitenstroms kurz nach Tiden-Höchststand bzw. Niedrigwasser ein- und ausfahren.

Unsere erste Tuamotu- Insel 

 Fakarava: eine andere Welt, ein starker Kontrast zu den Marquesas. Hier gibt es schon etwas mehr Tourismus, aber immer noch wenig. Vor allem für Taucher sind die Tuamotus ein wahres Mekka. Auch wir machen zwei Tauchgänge hier und sind tief beeindruckt von der Vielfalt der Tierwelt und den wunderschönen intakten Korallen. Am meisten „los“ ist im oder nahe des Passes, wo die Strömung am stärksten ist. Für einen solchen „Drift-Dive“ vertrauen wir uns lieber einem erfahrenen Guide an, mit dem wir ganz entspannt die riesigen golden-bunten Fischschwärme, große Napoleonfische und viele, viele Haie bewundern können. Die Strömung ist so stark, daß man sich zuweilen am Boden oder an einem Korallenkopf (ganz vorsichtig!) festhalten muß, um die Umgebung betrachten zu können. Gefühlt drei Kilometer entfernt von der Abtauchstelle werden wir dann vom Tauchboot wieder aufgefischt.

Eine kurze Dekompressions-Pause mit Picknick am Strand, und dann geht es nochmals bis auf 30m Tiefe!

Neuerdings eine eifrige Kirchgängerin,  besuche ich nun einen tuamotischen Sonntags-Gottesdienst: Etwas weniger feierlich und zeremoniell als in Fatu Hiva, dafür nicht so früh, nicht so lang, und mit mehr „groove“. Es hat schon was von einem Gospel-Konzert,  es ist schön zu sehen, wie vor allem die vielen Kinder begeistert und lautstark mitmachen.

Danach geht es fünf Stunden lang zum Südende der Lagune. Hier kann Eva endlich ihren Kite auspacken und nach Herzenslust bei idealen Bedingungen surfen. Fünf schöne entspannte Tage bleiben wir dort, während derer wir viele lang aufgeschobene Reparaturen am Schiff erledigen können.

Oh what a night!

140 Seemeilen sind es von Fakarava nach Rangiroa, der Hauptinsel der Tuamotus. Dafür brauchen wir ungefähr 24 Stunden. Wind und Wetter sollten passen, so dass wir genau zur „slack tide“ in das Atoll von Rangiroa einfahren können.

Aber leider ist dafür der Zeitpunkt zur Ausfahrt aus Fakarava nicht mehr so optimal. Es ist bereits  zwei  Stunden nach Hochwasser, und es hat sich schon kräftige Strömung auswärts gebildet. Das ist für diesen Pass kein großes Problem, er ist breit und unser Schiff ist groß. Trotzdem, es türmen sich schon mächtige Wellen, durch die wir mit kräftigen Motorenschub hindurchrauschen.  Die Wellen stehen so kurz hintereinander, daß sich Largyalo’s Bug tief hineinbohrt und mächtig viel Wasser überkommt.  Da macht sich das außen an der Reling angebundene Kanu selbstständig, und kann im letzten Moment noch an einer Leine erwischt und gerettet werden.

Außerhalb es des Passbereichs herrschen wieder normale Verhältnisse. Der Wind paßt, wie vorhergesagt, die See ist angenehm—Segeln de luxe! Mit sieben Knoten sind wir fast zu schnell, um zum richtigen Zeitpunkt anzukommen, daher nehmen wir den Fuß vom Gas und bergen das hintere Großsegel.

Doch was als schöner Segeltag begann, setzt sich als eine ereignisreiche und ungemütliche Nacht fort. Schon am Nachmittag wird die See ungemütlich, unvermittelt beginnt es in Strömen zu regnen, Böen lassen die Largyalo davonsausen, es wird höchste Zeit zu reffen. Ein leichtes für das eingespielte Largyalo-Team, doch damit es nicht zu langweilig wird, schenken uns die polynesischen Meeresgötter etwas Entertainment: eine Böe aus unerwarteter Richtung saust unter die nicht richtig arretierte Luke der Küche, die den Abflug machen möchte. Das Teil ist nicht nur schwer, sondern auch schwer zu ersetzen, also wirft sich der Käpten mit vollem Körpereinsatz drauf, um sie zu retten. Gerade nochmal gut gegangen! Zwar sind die Lukenführungen ausgerissen, doch wir „fesseln“ die Luke mit Leinen. Die Reparatur wird auf ruhigere Zeiten verschoben. Doch es kommt  noch besser:  Während meiner Wache schalte ich am Plotter (so heißt das Navigationsgerät) die Nachtbeleuchtung ein und versehentlich das ganze System aus. Hurtig wird alles wieder hochgefahren, doch leider bemerke ich erst als die Segel zu schlagen beginnen, daß ich auch den Autopiloten ausgeschaltet habe! Nicht gut, wenn man zwischen Korallen-Atollen unterwegs ist! Doch auch hier kann größeres Unheil vermieden werden, und wir rumpeln weiter durch die Nacht. Der Wind hält sich leider nicht an die Vorhersage und dreht nördlich, so daß wir zu hoch am Wind sind, um gut vorwärts zu kommen. Normalerweise würden wir dann eben langsam fahren, doch der Tidenplan schreibt vor, daß wir Rangiroa um halb elf erreichen sollten, um gut durch den engen Paß zu kommen. Also lassen wir einen Motor mitlaufen.

Während Eva’s Wache schieben uns die großen Wellen derartig aus dem Kurs, daß unser „Gustl“, (der Autopilot) aus dem Konzept kommt und sich empört pfeifend abmeldet. Das passiert zweimal, und jedesmal muß man schnell reagieren, auf Handsteuerung umschalten und wieder in die richtige Richtung fahren.

Mitten in der Nacht müssen wir die Fock bergen, dabei regnet es stark, der Wind heult, der Bug hüpft, und ich hüpfe -fast- über Bord, weil mir das Segel eine „g‘scheide Watschn“ verpaßt, als ich es bergen möchte. Doch es soll noch besser kommen: Im Morgengrauen beginnt es wieder zu regnen, Gustl meldet sich wieder ab, und dann: KEIN RUDERDRUCK!!!! Ein kurzer Blick in den Ausgleichsbehälter, und es wird klar: wir haben ein Hydraulik-Leck! Diesen Spaß hatten wir nun schon einige Male und deshalb wurden während des letzten Trockendocks alle Schläuche erneuert und die Hydraulikzylinder gewartet. Später stellen wir fest, daß die Armierung eines Schlauches an einer Übergangsstelle durchgescheuert ist.

Wir haben einiges an Öl dabei und füllen alle zehn Minuten nach. Doch wir haben noch vier Stunden Fahrt vor uns und brauchen eine zuverlässige Steuerung, wenn wir durch den Pass fahren. Also wird das Notruder montiert: zwei Stangen, die mit Drahtseilen verbunden sind und als Pinne fungieren. Nun muß mit Muskelkraft an einer der Stangen gesteuert werden. Bei Wellengang wirken da ganz schöne Kräfte, und wir wechseln uns ab, damit auch jeder seinen Morning-Workout hat.  Pünktlich kurz vor halb elf nähern wir uns dem Eingang des Passes: Die  teilweise drei Meter hohen Wellen haben die ganze Nacht lang viel Wasser über das Riff gespült, das jetzt durch den Pass herausdrängt. Mit flauem Magen und bangem Herzen schauen wir auf die gewaltige Brandung, die sich da in der gar nicht so breiten Lücke auftürmt. Wir haben Bedenken, ob die Brecher so weit in den Pass reichen, daß er so gar nicht befahrbar ist. Mittlerweile haben wir die Ruder wieder auf das Steuerrad umgestellt, die Hydraulik hat genug Öl bekommen, aber es ist noch jede Menge Luft in den Leitungen. Dadurch steuert sich die Largyalo wie ein nasser Schwamm (Wer erkennt dieses Filmzitat?), und wir lassen unsere  hundert Pferde kräftig galoppieren. Augen weit auf, und durch! Mittlerweile haben wir die Wellen genau von der Seite und werden unangenehm durchgeschüttelt. Aber plötzlich, direkt am Passeingang – nichts mehr. Keine Wellen, alles ruhig, der Pass liegt vor uns wie ein stiller See, keine Strömung, keine Wirbel und vor allem keine stehenden Wellen, für die der Pass bekannt ist und in denen man angeblich den Delfinen beim Wellensurfen zuschauen kann. Wir sind völlig verblüfft, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet.

Was für eine Erleichterung, was für ein Genuß! Draußen tosen die Brecher, und wir sind glücklich in türkisfarbenem, ruhigem Wasser. Kurz danach fällt der Anker, dessen Kette wir mit zwei Fendern „schweben“ lassen, damit sie die Korallen nicht beschädigt.

Wieder einmal hat uns die See gezeigt, daß man sie nicht unterschätzen darf. Zwar haben wir wieder einmal gut reagiert,  aber auch ordentlich „Schwein“ gehabt!

Kiki Soso Largyalo!

er bringt mich manchmal ganz schön auf die Palme!
Top-Team

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