Nachdem wir schon am vergangenen Wochenende eine stürmische Nacht verbracht hatten, kam es nun an diesem Samstag wieder zum (Fremd-)Körperkontakt.
Diesmal war es ein kapitaler Baumstamm, komplett mit Wurzeln und Geäst, der exakt quer vor unsere Rümpfe getrieben wurde und dort festhing.




An unserem neuen Ankerplatz nahe dem Außenriff herrscht eine beachtliche Strömung, und so rumpelte es ganz ordentlich. Außerdem drohte der Urwaldriese unseren Hahnepot (die Taue, die die Ankerkette entlasten) herauszureißen. Es folgte eine unterhaltsame und kräftezehrende Viertelstunde, während derer wir den Stamm mit einem Seil vom Dinghi aus wegdirigieren mußten. Während Berti im Dinghi mit Leine, Motor und Strömung kämpfte hüpfte ich vom Schiff aus auf den Stamm und half, ihn wegzudrücken. Immer wieder krallte er sich mit Wurzeln und Ästen an unseren beiden Bügen fest. Schließlich gab er uns frei und wurde von Berti ins freie Wasser gezogen. Dann konnten wir beobachten, wie er sich zügig auf den Weg Richtung Strand machte.
Bei helllichtem Tag und gutem Wetter war das ein eher lustiges Zwischenspiel, ohne wirklich bedrohlich zu sein.
Anders sah das am Wochenende zuvor aus, als wir noch in der eng belegten Phaeton Bay waren. Wir lagen ganz am Ende des Ankerfeldes hinter allen anderen Schiffen. Unser Anker war sehr gut eingegraben auf 15m Tiefe, und seine Haltekraft hatte sich bei dem starken Wind in den vorangegangenen Tagen gut bewährt.
Auch in dieser Nacht tobt ein Regensturm über die Bucht, das Wasser prasselt laut auf die Dächer, der Wind heult, und wir sind froh, gemütlich und trocken in unserer Kabine zu liegen.
Um zwei Uhr morgens dann: der erste Bums! „Das wird einfach ein Stück Holz sein, das gegen den Rumpf getrieben worden ist..“ sagen wir uns, weil wir keinerlei Lust verspüren aufzustehen. Nachdem es kurz darauf aber nochmals, und etwas kräftiger HINTEN am Schiff bumst, springen wir dann doch an Deck. Ich schlüpfe geistesgegenwärtig in meinen Neoprenanzug, bei Berti reicht es nur zur Neopren-Jacke…( und dieser Anblick bleibt auch die einzige pornographische Note in dieser Nacht;)) Mit großem Erstaunen erblicken wir HINTER uns eine Yacht, die mit ihrem Bug immer wieder an unseren hinteren Beam stößt. „Wo kommt die denn her? Und warum treibt die auf uns zu und nicht von uns weg? Sind es etwa WIR, die auf sie zutreiben?“ Fragen über Fragen, doch zunächst gilt es, den Aufdringling von unserem Hinterteil fernzuhalten. Ein Blick auf unseren Ankeralarm zeigt, daß wir unverändert auf unserer Position sind. Wir stemmen uns gegen den Bug der Yacht namens „Thera“ und können so größeren Schaden an unserem Beam vermeiden. Dann löst sich die Leine von einem unserer Kugelfender und treibt zügig davon. Dieser Fender ist zu teuer, um ihn einfach aufzugeben, und so wird ohne Zögern das Dinghi zu Wasser gelassen und hinterhergerast. Der Abtrünnige wird wieder aufgegabelt, und ich nutze meinen Ritt durch Nacht und Wind, um die „Thera“ näher zu begutachten. Es ist kein Mensch an Bord, und glücklicherweise entfernt sie sich jetzt auch von unserem Heck, treibt ein Stück nach hinten und fängt sich dann wieder.
Da offensichtlich keine Gefahr für Leib und Leben besteht und wir bei diesen Verhältnissen sowieso nichts ausrichten können, ziehen wir unser Dinghi wieder hoch, schütteln uns wie die nassen Hunde und kriechen wieder in unser Bett.
Per WhatsApp informiere ich die Nachbarn und die Ankerbucht-Bewacherin. Am Morgen darauf wird die Yacht „eingefangen“ und an einer Mooringboje gesichert. Ursprünglich ankerte sie weit vor uns in der Bucht, und ist zügig durch alle parkenden Schiffe getrieben, hat einem davon den Anker herausgerissen, ein weiteres angebumst und kam dann ausgerechnet (oder gottseidank) NEBEN uns wieder zum Stillstand, weil ihr Anker da kurz wieder hielt. Als der Wind dann ein bisschen drehte, war sie genau hinter uns auf Kontakthöhe.
Der Schaden bei uns hält sich in Grenzen: ein paar kleine Macken am Beam und eine Delle im hinteren „Dödel“. Der Eigner hat sich gleich per WhatsApp bei uns gemeldet und entschuldigt.
Deshalb muß er uns nur mit ein paar guten Flaschen Wein für die schlafarme Nacht entschädigen, wenn er wieder zu seinem Schiff kommt….
Auf weitere Wochenend-Unterhaltungen können wir gern verzichten!


