Waking up the sleeping beauty

Fragen, die wir uns in den Tagen vor unserer Abreise nach Tahiti gestellt hatten: -Wie schaffen wir 130 kg  Bootszubehör und europäische Luxusgüter (sizilianisches Nußmus, biologische Kosmetik, ayurvedische Braunhirse) um den halben Globus?

Waking up the sleeping beauty

Im Winterschlaf in der Phaeton Bay in Taravao, Tahiti

Fragen, die wir uns in den Tagen vor unserer Abreise nach Tahiti gestellt hatten:

-Wie schaffen wir 130 kg  Bootszubehör und europäische Luxusgüter (sizilianisches Nußmus, biologische Kosmetik, ayurvedische Braunhirse) um den halben Globus?

-Werden die amerikanischen Grenzkontrolleure uns hereinlassen? (denn ich bekam ein Email von der US Homeland Security, daß ich nun nach drei Monaten mal das Land verlassen sollte….Offenbar hat man im Dezember nur meine Einreise aus Tahiti, nicht aber meine Ausreise nach Deutschland registriert….)

-Werden wir einen Platz in der Lufthansa-Maschine nach Los Angeles bekommen? Wird uns die Air Tahiti Nui von Los Angeles nach Papeete mitnehmen?

-Wie kommen wir vom kleinen Hafen zu unserem Schiff, das draußen an einer Mooring liegt?

-In welchem Zustand werden wir die Largyalo vorfinden?

Wie so oft, wenn man sich viel Kopfzerbrechen macht…. kommt alles ganz anders!

Neben vielen schönen Begebenheiten, zum Beispiel kleinen Reisen innerhalb Deutschlands, einem Mama-Tochter-Trip nach Marrakesch, Wiedersehen und Feiern mit alten Freunden und der Familie gab es auch ein paar unschönere Vorfälle. Einer davon war Berti’s Bandscheibe, von der er sich aber schnell wieder erholte. Mit meinem langjährigen Zahnschmerz war es leider nicht das gleiche. Nach zähem Herumprobieren wurde kurzer Prozess gemacht, und ich flog nun mit zwei Backenzähnen weniger zurück in die Südsee.

                                                         Januar-Februar-März in Deutschland: Ein paar Eindrücke

Goldene Konfirmation: Wiedersehen mit den Grundschulkameraden
März 1976: Wer findet mich?
Was weg ist, ist weg!

Mit Mama in Marrakesch
Freunde aus Bio-Tagen

The long way home….

Wie schon beim Heimflug an Weihnachten erwies sich auch Ostern als guter Reise-Zeitpunkt, denn die Flieger sind da meist leerer.

Der gute Bruder brachte uns nach einer gemütlichen Nacht auf dem Münsinger Gäste-Sofa zum Münchner Flughafen. Dort wartete ein anläßlich des 100jährigen Jubiläums der Lufthansa frisch lackierter A380 mit genügend Platz auf uns. Wenn ich auch keinerlei Wehmut nach meinem früheren Job verspüre, war ich doch ein bißchen stolz,  in diesem schicken Flieger sitzen zu dürfen, und das immer noch zu Mitarbeiter-Konditionen.

Schick zum Flug, as good as it gets

Der A380 mit Jubiläums-Bemalung: Dieses Design war die Million wert!

Der Lufthansa-Flug

Glücklich sanken wir in unsere komfortablen Business-Sitze. Nur ein ganz kleines bißchen mulmig war mir, weil ich nur von dreien der vier Koffer einen elektronischen Verladebeleg bekommen hatte.

Sollte einem Kontrolleur doch der Liter Holzlasur aufgefallen sein? Oder der große,20 kg schwere Inverter? (Soviel übrigens zu elektronischen Geräten im aufgegebenen Gepäck…)

Oder die Schleifmaschine, oder die 15kg schwere Tauwerks-Rolle?

Überhaupt, werden die Amis unsere Braunhirse, die sizilianischen Mandeln, die Gräfenhäuser Walnüsse beanstanden? (Man darf eigentlich keine Lebensmittel nach USA einführen….)

Ein GinTonic und eine Schmerztablette gegen das Zahn(loch)weh, und die Sorgen wurden schon erträglicher. Leider kann man trotz bequemem Sessel, während eines Tagesflugs nicht so gut schlafen, doch wir wurden bestens umsorgt und verpflegt. Die Kabinen-Chefin erkannte  zwar nicht mich, aber meinen Namen, denn mein Kapitänsbruder ist bekannt und beliebt bei LH MUC.

und sofort runter mit der Krawatte!
Eine Stewardeß wie aus dem Bilderbuch

                                                                             Welcome to the USA

So stiegen denn die „VIPs“ nach 12 Stunden Flug recht entspannt in Los Angeles aus. Es gab keinerlei Schlangen bei der Einreise, die Beamten waren superfreundlich und winkten mich ohne Beanstandungen durch. (Mal wieder umsonst den Kopf zerbrochen!)

Am allermeisten strahlen wir immer am Gepäckband, wenn ALLE Koffer auftauchen, und das meist gleich am Anfang! (Klar, was zuletzt eingeladen wird, kommt auch zuerst wieder raus…)

Auch wenn man nur im Transit in USA ist und wenige Stunden später weiterfliegt in ein anderes Land, muß man dennoch mit Visum/ESTA einreisen und das Gepäck in Empfang nehmen, durch den Zoll gehen und wieder neu aufgeben.

Das Strahlen, wenn man beim Zoll durchgewunken wird ist am besten verhalten, doch die innere Freude und Erleichterung umso größer.

Nun saßen wir auf unseren vier Riesenkoffern und den beiden Kabinen“köfferchen“ und warteten auf unseren Weiterflug nach Papeete. Sechs Stunden vergingen mehr oder weniger bequem. Die Bandscheibe brauchte viel Bewegung, dem Phantom-Zahn hatte der Kabinendruck auch nicht so gutgetan. Doch alles wurde besser, als der Tahiti Nui-Schalter endlich öffnete. 

Nun wurde es interessant, denn bei dieser Airline konnten wir keine Business-Plätze mit mehr Freigepäck kaufen. Wir hatten uns darauf eingestellt, ca. 300-400€ für das Übergepäck zahlen zu müssen. Das war immer noch viel günstiger, als wenn wir die Sachen per Fracht versendet hätten. Durch den Iran-Krieg gingen die Speditionen mit den Preisen genauso unlogisch nach oben wie die deutschen Tankstellen. Unser letztes Angebot, das wir eingeholt hatten belief sich auf 700€ für 70kg Fracht. Und darin waren Zoll und Abfertigung durch einen Agenten noch nicht enthalten!

Tatsächlich sollte es pro zusätzlichem Koffer 200$ kosten, weil sie ja 31kg statt 23kg wogen. Als ich ein etwas erschrockenes, mitleiderregendes Gesicht gemacht haben muß (Zahnweh hilft da…) fragte die Check-in Mitarbeiterin, ob wir nicht vielleicht ein bißchen was umpacken könnten, damit die Koffer leichter würden.  Das Handgepäck war eigentlich auch schon am Limit gewichtsmäßig, doch Berti begann schon die Koffer zu öffnen: Eine Schleifmaschine, eine Kabelrolle, ein bißchen Tauwerk wurde rausgenommen, und flugs waren die Koffer „leicht“ genug für die normale Übergepäcksgebühr (von 70€ pro Koffer). Dann mußten wir noch unser Handgepäck wiegen lassen, was aber kein Problem war, da wir die Sachen noch gar nicht darin verstaut hatten!! 

Die nette Dame drückte ein Auge zu, ich ihr einen Lufthansa-Kosmetikbeutel und einen Osterhasen in die Hand, und alle waren zufrieden. (Wir eher HÖCHSTüberglücklichzufrieden!!)

ALLE Koffer kommen in Los Angeles aufs Band!
                                                                                             Nach TahitiDer Flug in der vollen Economy Class war dann allerdings SEHR unbequem,  der Air Tahiti Dreamliner war unglaublich eng bestuhlt, das Essen ungenießbar, die Crew freundlich, aber meistens unsichtbar. Wir saßen in einer Dreierreihe, am Gang eine superunfreundliche, lilahaarige ältere Amerikanerin, die es als Zumutung empfand, wenn sie aufstehen mußte, damit wir mal zur Toilette konnten.Doch auch diese acht Stunden waren irgendwann überstanden. Um vier Uhr morgens landeten wir pünktlich in Papeete.Kein Mensch fragte uns bei der Einreise nach einem Rückflugticket (das ich in Los Angeles noch schnell kaufen mußte, sonst hätte man uns bei Air Tahiti nicht mitgenommen).Das Grinsen beim Anblick unserer Koffer auf dem Band wurde noch breiter, als alle Polynesier ihr Gepäck beim Zoll durch den Scanner laufen lassen mußten, und nur wir (und die anderen Touristen) durchgewunken wurden! Schnell packte ich meinen Schnellhefter weg mit den Rechnungen, den Schiffspapieren und den Bescheinigungen, daß wir alles, was wir einführen, wieder mit dem Schiff außer Landes bringen. Das hätte uns einiges an Zollgebühren erspart, doch GAR NICHTS anmelden zu müssen war natürlich noch besser!!So kosteten uns die 100€ Taxigebühr für die 60 km zu unserer Bucht im Süden der Insel nur ein müdes Grinsen. Inzwischen war es auch Tag geworden, und wir begannen die Wärme, das tiefe Grün und das Meer zu spüren. 

Eine Stunde Fahrt und schon waren wir in der kleinen Marina angekommen, wo wir von einem Bootsnachbarn mit einem großen Dinghi abgeholt wurden. Muriel, die unser Schiff während unserer Abwesenheit betreute, aber gerade im Urlaub war hatte das für uns organisiert („Diese Deutschen: reisen am Weihnachtstag ab und kommen am Ostersonntag zurück!“)

Alle mit Allem an Bord!

                                                                                   Wieder auf dem Schiff!

Wieder an Deck, waren wir angenehm überrascht: Die Kabinen waren regelmäßig gelüftet worden, ein paar Tropfen, die bei starkem Regen durch ein kleines Leck im Deck drangen wurden von Muriel getrocknet. Kein Schimmel, keine unbefugten Tiere! Ein paar Spinnen, ein Pilz, der aus dem Holz wuchs, das war schon alles. 

Auch die Solar-Anlage lädt gleich wieder unsere Batterien, der Kühlschrank geht auch, nachdem Berti den Salzwasser-Zulauf unter Wasser freigemacht hatte. Das Wasser hier in der Bucht ist nicht sehr einladend: zwar nicht schmutzig, aber undurchsichtig und voller Sedimente. Dementsprechend sieht auch unser Unterwasserschiff und die Wasserlinie aus. Doch diese Putzerei verschieben wir noch ein paar Tage, bis wir wieder in schönem Wasser ankern. 

Pilz-Kultur am Dach
Spinnen-Netz am Heck

_

Zwei Tage Spaghetti mit Pesto und Karotten und roter Beete aus der Dose sind genug, dann brauchen wir dringend Vitamine. Unser Dinghi funktioniert erst, als Berti den Vergaser zerlegt, gereinigt und wieder eingebaut hat. Endlich können wir an Land, wo österliche Ruhe und allseits Heiterkeit herrscht. Wir hatten ganz vergessen, wie freundlich die Leute hier sind! Wildfremde grüßen einen mit breitem Lächeln und einem netten Spruch, bevor sie sich wieder ihrem Petanque-Spiel zuwenden. (Eine Art Boule / Boccia mit schweren Eisenkugeln, das hier gern gespielt wird). Einer der drei großen Supermärkte hat tatsächlich an Ostern geöffnet, und wir können uns mit Vitaminen eindecken. Bei einer Wanderung ans nördliche Ufer des Isthmus entdecken wir noch einen riesigen, gut ausgestatteten Baumarkt, also können wir mit unseren Arbeiten loslegen! 

Doch vorerst sind wir noch von Jetlag und persönlichem Klimawandel eingebremst und lassen es langsam angehen. Es muß doch viel geputzt und eingeräumt werden, auch die Installation des neuen Inverters ist aufwendig. 

Doch wir sind glücklich wieder an Bord zu sein, und unsere „Schöne“ aus ihrem Winterschlaf zu erwecken.

neueste Beiträge