Schiffswirtschaft – (Ohne Hunger) Überleben auf Hochsee

Seit Corona wissen wir alle, wie es ist, wenn man nicht rausgehen kann, um einzukaufen, wenn man improvisieren und sich selbst versorgen muß. So ähnlich geht es einem, wenn man eine monatelange Schiffsreise vor sich hat

Schiffswirtschaft – (Ohne Hunger) Überleben auf Hochsee

 Seit Corona wissen wir alle, wie es ist, wenn man nicht rausgehen kann, um einzukaufen, wenn man improvisieren und sich selbst versorgen muß.

So ähnlich geht es einem, wenn man eine monatelange Schiffsreise vor sich hat. Mit dem Unterschied, daß die Selbstversorgung sich auf (eventuelle erfolgreiche) Fischfänge und (eventuell gelingende) Sprossen-Zuchten beschränkt. Lieferando und Amazon sind ebensowenig für einen da, wie der ADAC, falls man abgeschleppt werden möchte.

Eine Pazifiküberquerung muß gut vorbereitet werden. Schiff und Crew müssen „fit“ sein (Largyalo wurde auf der Werft in Topform gebracht, wir beide in der Ayurveda-Kur), es müssen Ersatzteile und Zweit-Ausführungen für möglichst alle technischen Ausrüstungsgegenstände an Bord sein. Wassermacher, Autopilot, Kühlschrank-Kompressor, GPS, Satelliten-Kommunikation, Pumpen haben wir alles „in Redundanz“ dabei. Werkzeug, Schrauben, Epoxidharz, Holz in Mengen sowieso.
Dazu noch die Sicherheits-Ausrüstung wie Rettungsinsel, Notfunk-Bake, Rettungswesten, Signalmittel…

Die Bordapotheke wurde nochmals gründlich aufgestockt, sogar medizinisches Fachpersonal ist an Bord! Klopapier, Putzmittel und Küchengeräte…  alles muß nicht nur in ausreichender Menge dabei sein, sondern wir rechnen auch damit, daß wir auf den Marquesas nicht alles bekommen werden, was in Panama leicht und günstig erhältlich ist.

…wurden leider alle gleichzeitig überreif
wollten alle gleichzeitig reif sein
…hielten sich im Kühlschrank sehr gut!
….waren nach zwei Wochen alkoholhaltig!
Vor Vampiren brauchen wir uns nicht zu fürchten!
…gewaschene Karotten schimmeln schnell
…die hielten sich erstaunlich gut!
…waren vier Wochen lang gut
…die Vitamin C -Reserve!
…wollten bald in den Kühlschrank
Eva bastelte Netze unter unsere Walkways,
…doch die Sonne und die permanenten Salzwasserduschen gefielen dem Gemüse nicht sehr

 Haltbare Grundnahrungsmittel hatte ich schon Wochen vor der Abfahrt ungelogen zentnerweise an Bord geschafft. Mehl in allen Varianten ( Weiß, Roggen, Gerste, Dinkel) konnte ich in Panama City in 30 kg -Säcken bekommen, Zucker, Salz, Mehl, Hülsenfrüchte wurde alles in die Fünf-Liter Plastikflaschen umgefüllt, in denen wir in unserer Zeit vor Anker im schmutzigen Wasser in Panama City unser Trinkwasser kaufen mußten. So konnten wir jeden Schädlingsbefall vermeiden, denn die Milben sitzen oft in der Verpackung. 

In jeder Vorratsflasche kam ein Lorbeerblatt gegen Schädlinge 

 Ein Geschäft für italienische Spezialitäten belieferte uns mit Pecorino und Parmesan und auch ein ganzer Schinken „Guanciale“-Speck, für die Carbonara, durfte nicht fehlen.

Bier, Schnaps und Wein für 800$!!
Einkauf im Großmarkt

Da wir weitgehend vegetarisch essen, und keine Tiefkühlung haben, wurde Fleisch erst gar nicht eingekauft. Dafür aber dreihundert Eier! Davon wurden fünf Paletten sofort im Kühlschrank gelagert, die restlichen zunächst in einer Kabine. Je leerer der Kühlschrank wurde, desto mehr Eier wurden eingelagert.  Mit der großen Kiste Äpfel und Birnen sind wir genauso vorgegangen. So haben wir jetzt noch, fast zwei Monate nach unserer Abfahrt aus Panama City, Eier, Äpfel, Birnen, Zwiebeln, Kartoffeln, Knoblauch und Kürbisse, die noch gut erhalten sind. Nach einer Woche waren die Blattsalate natürlich hinüber, auch Eissalat macht es nicht länger als zwei Wochen. Danach waren wir froh an unseren 20 Kohlköpfen von denen einige die Marquesas noch erreichten. Auch Tomaten und Paprika hielten sich ganz tapfer im Kühlschrank. Die für mich ziemlich wichtigen Karotten wurden ungekühlt leider sehr schnell schimmlig. In einer aufwändigen Aktion schnippelten wir sie klein, blanchierten sie und konnten sie vakuumiert noch ein paar Tage länger genießen.

Als all unsere Bananen gleichzeitig reif wurden hatte Eva die Super-Idee, sie mit Zitronensaft zu pürieren. Im Thermomix wurden sie gleich erhitzt und dann in Schraubgläser abgefüllt (dank Dieter’s Vorliebe für Erdnußbutter war der Nachschub an Schraubgläsern gesichert). So hatten wir bis fast zum Schluß Bananenmus für unser morgendliches Muesli.

Das gleiche konnten wir mit den Mangos machen, von denen wir einen 20-Kilo Sack gekauft hatten. Mit wenig Zucker, nur mit Zitronensaft (auch im 20-Kilo Sack….) hielt sich dieses Püree im Kühlschrank noch wochenlang. Der 2o-Kilo Sack Avocados war leider nicht zu retten, deshalb gab es in er ersten Zeit Guacamole in großen Mengen. Mit dreißig Kokosnüssen hatten wir zwar auch etwas übertrieben, doch frisches Kokosfleisch kann man sehr vielseitig verwenden.

Nach unseren zwei Wochen auf den Las Perlas Inseln vor der Westküste Panamas waren dann schon viele Frischwaren verbraucht oder kaputt. Wir hatten das große Glück, daß unser Freund Juan, der in Panama City sehr gut vernetzt ist, es organisieren konnte, daß wir nochmals eine große Ladung Vitamine nachgeliefert bekamen. Unsere Marktfrau lieferte meine Bestellung an den Steg der Touristenboote in Panama City, und ein mit Juan befreundeter Bootsmann brachte uns die zwei Kisten Obst und Gemüse die dreißig Meilen hinaus zu den Inseln.

Obwohl sich Dieter, unser Fischerei-Beauftragter mit Angelleine, Ködern und allem Zubehör bestens ausgerüstet hatte waren seine Bemühungen, uns etwas Zusatz-Proteine zu beschaffen von nicht allzu großem Erfolg gekrönt. Wir waren meist zu schnell, oder der Pazifik ist auch schon leergefischt. Immerhin hatten wir dreimal Glück und bekamen feine Stachelmakrele oder Thunfisch. Bei dem starken Seegang, den wir hatten, war es oft schlichtweg zu mühsam und auch nicht ungefährlich, sich hinten auf der Rampe aufzuhalten. Die Massen an fliegenden Fischen, die morgens an Deck herumlagen fanden wir eher unappetitlich und auch unsere inkontinenten schwarzfahrenden Fluggäste wollten wir nicht rupfen.

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Spanische Makrele
Genau die richtige Größe für vier Personen!

Dennoch haben wir sehr gut, gesund und abwechslungsreich gegessen, worauf ich doch ein bißchen stolz bin. Dieter und Eva machten mir meine Koch- und Backorgien aber auch leicht, weil sie mir die Schnippeleien vorher und die Putz- und Spülarbeit nachher komplett abnahmen.

Jeden zweiten Tag gab es frisches Brot und Brötchen zum Frühstück, das vom Käpten persönlich zubereitete Frischkorn-Muesli sowieso.

Ab 12 wurde gekocht, was bei rauher See eine anstrengende Angelegenheit sein kann. 

Ein üppiges Mittagessen, danach eine schöne Siesta.

 Jeden Nachmitttag gab es Kekse, Kuchen oder auch mal ein Eis.

Abends machte sich jeder selbst ein Brot oder einen Snack, weil wir ja durchgehend Nachtwachen eingeteilt hatten.

Der von Dieter aus USA mitgebrachte Solar-Ofen machte uns auch viel Spaß. Nach vielem Herumprobieren hatten wir dann den Dreh heraus und haben interessante Sachen darin zubereitet. Zum Beispiel leckere Chips aus frischer Kokosnuß, Crunchy aus Haferflocken mit Öl und Honig, Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Gemüsegerichte gelingen hervorragend darin. Es dauert halt alles etwas länger. Brot wird nicht richtig knusprig darin, Eier nicht richtig hart und Nudeln absolut nicht al dente, doch dafür haben wir ja unseren Gasherd und -backofen.

Jeden Morgen machte Eva einen Rundgang um zu sichten, was überreif und „fällig“ war. Sobald Platz im Kühlschrank war wurde Gemüse, aus den Kabinen oder den Netzen umgelagert. Die Eier wurden alle fünf Tage gewendet, damit sich das Dotter nicht auf einer Seite absetzt. Gleichzeitig wurden so die beschädigten entdeckt und gleich aussortiert. (Es gibt wenig, was so stinkt wie ein faules Ei!)

Eier-Wenden bei starkem Seegang: besser im Sitzen!
Der Seegang erlaubte es nicht immer, draußen zu essen
…es war ganz schön frisch!
Kuchen hebt die Stimmung!

Hier ein Auszug aus unserer „Speisekarte“:

Bratkartoffeln mit Zaziki und Salat

Gebratener Tofu mit Erdnußsauce und Reis, Salat

Linsen mit handgeschabten Spätzle

Käsespätzle mit Krautsalat

Kartoffelsalat mit Gurken

Guacamole mit frischem Brot und Spiegelei

Kürbissuppe mit Kokos, Curcuma und Papaya

Kürbis-Eintopf mit Tofu

Thailändischer Krautsalat mit Erdnüssen )/( Mango, Chayote, Rettich, Kraut, Apfel, Karotte) und Kürbisbratlinge

Gebratener Reis

Mohnschnecken

Apfelkuchen

Nudeln mit Gorgonzolasauce

Salat aus Rettich, Chayote, Zwiebeln und Karotten

Reis mit Cashew und Ananas, dazu Linsen Daal und Krautsalat

Pina Colada Eis mit /ohne Rum

Spaghetti Bolognese ( aus Soja-Schnetzeln, Kraut und Kürbis)

Schokopudding mit Birne

Risotto mit getrockneten Gräfenhäuser Steinpilzen

Quinoa-Bratlinge mit Kartoffelsalat

Ofenkartoffeln mit Kohl

Kürbissuppe mit Kichererbsen und roten Bohnen

Reisauflauf mit Pfirsichen

Dünne Pasta mit Schafskäse und Tomaten

Eiersalat

Brownies

Nudelauflauf mit Ei und Käse

Reissalat mit Thunfisch und Mais

Hummus

Spaghetti Carbonara

Butterkuchen mit Mandeln und Sahne

Lasagne mit Bolognese, Kraut- und Kürbisscheiben

Kokosbrötchen süß

Pfannkuchen mit Nutella und Marmelade und Nußmus

Bratlinge aus roten Bohnen und Kürbis, dazu gedünstete rote Zwieblen

Zimtschnecken mit Birnen

Bratkartoffeln mit Rotkohl

Nudelsalat mit Käse, Kapern, getrockneten Tomaten, Mais

Rigatoni mit Gorgonzolasauce und Kürbisgemüse

Frische Makrele, mit Sesam paniert mit frittierten Reisbällchen

Birne Helene

Chili sin carne mit Mais und Kürbis

Chia-Kokos Creme

Da wir schon in Panama die meisten Verpackungen entfernt, die Lebensmittel in wiederverwertbare Behälter umgefüllt hatten und das Obst und Gemüse vom Markt in Kisten und Säcken geliefert bekamen hatten wir nicht sehr viel Müll.

Unser Müll von 6 Wochen!

Alkohol wurde wenig  konsumiert, und die paar Sektflaschen, die wir anläßlich der Geburtstage, der Äquatortaufe und des Bergfestes geleert hatten durften -natürlich ohne Plastiketikett und Verschluß-in die 4000m Tiefen des Pazifik versenkt werden. Desgleichen unbeschichtete Weißblechdosen und natürlich der Biomüll. Auch unbedrucktes Papier und Karton übergeben wir auf Hochsee an Neptun.
Alle Plastikverpackungen und Tetrapacks wurden gründlich mit Salzwasser gereinigt und komprimiert. Die großen Joghurtbecher mit Deckel werden bei uns immer gesammelt und vielfältig wiederverwertet.

In die geleerten großen Plastikflaschen wurde der Kleinmüll entsorgt. Es ist faszinierend, wieviel man durch so einen Flaschenhals bekommt, wenn man es ab und zu mit einem Stab herunterdrückt. Auch die Gerüche halten sich in Grenzen, weil die Flasche ja immer wieder zugeschraubt wird.

Nach dreißig Tagen auf See kamen wir auf den Marquesas an mit:

12 Zwiebeln, 5 Kürbissen, 10 Äpfeln, 12 Birnen, 40 Eiern, 10 Kokosnüssen, 3 Krautköpfen, 1 Kilo Knoblauch, Ingwer und Kurkuma.

In unserer ersten Ankerbucht, der „Baie des Vierges“ in Fatu Hiva, wurden wir gleich nach Ankunft mit zwei riesigen Pampelmusen beschenkt, mit denen hier überall die Bäume voll hängen. Ebenso werden Bananen und Zitronen freigiebig verschenkt. Doch damit hat es sich auch schon an Frischwaren. Denn die Mangos und Avocados sind noch nicht reif, und Blattsalate oder Tomaten sind Mangelware.

Doch mit unseren Restbeständen und dem Fisch, den man hier leicht und günstig erhält bleibt das kulinarische Niveau weiter gut.

Dennoch war unser erster „Restaurant“-Besuch auf Fatu Hiva ein ganz besonderes Erlebnis: in einem großen Erdloch wurde Fleisch von wilden Ziegen, Schweinen und Hühnern zusammen mit Kochbananen und Brotfrüchten stundenlang gegart. Im Wohnzimmer einer Familie konnten wir dieses Festmahl zusammen mit den anderen Seglern genießen!

Auf der größeren Insel Hiva Oa, wo wir erst zwei Wochen nach unserer Ankunft ordentlich in Französisch-Polynesien einreisten (Wir sind hier zwar in Frankreich, aber doch nicht in Europa, daher gab es einen Stempel in die Pässe) war das Angebot in den kleinen Supermärkten etwas breiter.

Mein Karotten-Bedarf ist endlich wieder gedeckt, sogar guten Joghurt haben wir gefunden! Natürlich alles zu saftigen Preisen, doch darauf sind wir ja vorbereitet worden.

Mehr von unseren Insel-Abenteuern zu Lande und zu Wasser in den nächsten Blogs!

Wir hatten in den ersten Wochen nach unserem Landfall einige Probleme mit unserer Internet-Versorgung durch Starlink. Unser Datenvolumen war limitiert, und so mußten wir mit dem Bloggen warten, bis sich alles wieder „eingerenkt“ hatte. Jetzt sind wir dank der SpaceX-Satelliten wieder unbeschränkt mit der Welt verbunden, und haben sogar in den einsamen Buchten Empfang, wo die lokalen InternetSIMs nicht funktionieren.

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